Anmerkungen. 525
Ort, und man könnte standrechtlich erschossen werden, ohne zn wissen, dass das Stand-recht pnblicirt ist."
298) S. 427. Im „Tagebuch der Wiener Ereignisse" (L. W. Seidel, 1849) S. 55finden sich vom 26. October bis 5. November, beides invinsivs, keine Conrse verzeichnet.
297) S. 428. Den Wortlaut dieser Antwort des Banns — deren Anthenticitätwir übrigens nicht verbürgen wollen — bracbte die „Angsb. Abendztg." und ansdieser die „A. A. Ztg." Nr. 316, S. 4981.
298) S. 428. Im allgemeinen mußten im Gerede der Leute die „Kroaten" süralles herhalten, was schlimmes geschah oder doch erzählt wurde. Allein gerade Collo-redo, der den srevelnden Uebermuch seiner Truppen durch Androhung des Standrcchtszu zügeln sür nöthig fand, hatte in seiner ganzen Brigade nicht einen Granzer.Auch erinnern wir uns von der Landstraße, dem Hauptlager kroatischer Bataillone,Stimmen vernommen zu haben, die den in verschiedenen Häusern einquartierten Kroa-ten nur gutes nachzusagen wußten. Es waren in allen Truppenkörpern, die Gränz-Batailloue nicht ausgenommen, Excesse nicht Regel, sondern Ausnahmen und zwarverhältnismäßig seltene Ausnahmen. Solche kamen in den ersten Tagen auch inder innern Stadt vor: nur muß man sich bei Abhörung der Zeugen nicht mit derVorbringung allgemeiner Redensarten begnügen, sondern auf Angabe bestimmterThatsachen dringen. Solche sührt z. B. Grüner, Geschichte der October-RevolutionS. 312 an und da er sich dabei dem Leser als „Augenzeugen" vorführt, so wollenwir es ihm glauben, daß ein Osficier ans dein Graben gegen einen anständig geklei-deten Herrn, der ihn im Vorübergehen „zufällig" stieß, den Säbel gezogen und ihmden Hut herabgeschlagen, doch ihn „zufällig" nicht verletzt habe; und daß ein andererOsficier im Gasthaus „zum Bazar" einen ihm gebrachten Teller, der „zufällig" amRande die deutschen Farben halte, sammt der Speise dem Kellner an den Kopf ge-worfen habe. Auch Auerbach, Tagebuch S. 218, erzählt einen Fall, wo in einemHause, das wegen einer comprommittirten Person untersucht wurde, die untersuchendenSoldaten alle silberbeschlagenen Meerschanmpfeifen Mitnahmen u. dgl. Desgleichenbei Fadinger, Flucht eines Wiener Studenten, S. 22: „Ich sah selbst, wie ein nebenmir stehender Herr die Brieftasche herauszog und drei Kroaten eine Banknote gab;sie rissen ihm schnell die Briestasche aus den Händen, nahmen alle Banknoten herausund gaben sie ihm entleert zurück." — Allein solchen Anklagen gegenüber muß mandie entgegengesetzten Versicherungen von Augenzeugen gelten lassen, die sich über dasBenehmen von Truppen und Officieren im allgemeinen nur anerkennend aussprechen.So ließ sich die „Deutsche Ztg. aus Böhmen", der man wahrhaftig keine Regierungs-dienerei Vorwersen konnte, S. 238, aus Wien schreiben: „Das Militär beträgt sichüberall ans die humanste freundlichste Weise". Der ^-Correspondent der „A. A. Ztg."S. 4964 f. berichtete aus Wien am 4. und am 6. November, man höre „viel vonUebergriffen der Officiere, zum Theil der empörendsten Art", fügt aber sogleich hinzu:„Ich schreibe, was ich überall höre, muß jedoch bemerken, daß mir bei meiner so viel-fältigen Berührung mit dem Militär von Officieren nicht die geringste Unannehm-lichkeit widerfuhr, noch ich dergleichen andern Personen gegenüber bemerkte". In demSchreiben eines deutschen Offieiers im Armeecorps des Banns („A. A. Ztg." S. 4981)hieß es: „Mit Blumen werden wir beworfen, Wein und Braten wird unfern Leutenvorgesetzt; die Bürger wissen gar nicht, was sie uns alles zugute thun sollen. DasMilitär ist gut verpflegt und überall lustig." Das klingt doch auch nicht darnach, alsob sich Militär und Civile in Wien wie übermüthigc Sieger und sclavische Unter-drücker gegenüber gestanden hätten.