518
Anmerkungen.
der Aufständischen" hätten den Brand herbeigesührt. Daß nun in den letztenOctvbertagen, namentlich aber vom 30. zum 31. in der Burg und in deren un-mittelbarer Nähe Leute mit Pechkränzen gesehen wurden, ist eine von zu vielenSeiten bestätigte Thatsache, als daß sich an der Wahrheit derselben zweifeln ließe;über das zweite wesentliche Moment jedoch, daß nämlich solche Pechkränze im Dacheder Hof-Bibliothek oder des Hof-Naturaliencabinets von den Aufständischen ange-zündet wurden, ist uns eine unansechtbare Keugenschast aufzntreiben nicht gelungen.Da lesen wir — im directen Gegensätze zu Frist er's Erzählung —, „die Proletarierhätten in der Burg Feuer angelegt, seien von Bürger-Grenadieren daran gehindertworden und ein erbitterter Kampf zwischen beiden Theilen habe sich entsponnen";allein es fehlt jede nähere Angabe, in welchem Theile der Burg, zu welcher Zeit sichdas zngctragen habe u. dgl. Der ^.-Correspondcnt der „A. A. Z." S. 4033 willwissen, während man mit Wcgräumnng der Berrammlung beim Burgthor beschäftigtgewesen, seien Proletarier durch die Gänge des Palastes Albrccht in den kleinen Hofhinter der Bibliothek gedrungen und es sei ihnen gelungen „mit einem Pechkranze,nach Anderen mit einer Rakete" Feuer anzulcgcn. Doch abgesehen von der theilwcisenLerschwommcnhcit und Lückenhaftigkeit dieser Darstellung befand sich der Bericht-erstatter zur selben Zeit nicht einmal in Wien, sondern in Baden, und kann schondarum nicht als elastischer Zeuge gelten. Dunder führt S. 874 an, während desBombardements hätten mit Pechkränzen versehene Proletarier rückwärts vom Hvfstall-gebäude über die Mauer zu steigen versucht; aber er fügt selbst bei, man habe die-selben „gesehen und nachdrücklichst zurückgeworfen". S. 875 heißt es weiter, es seienvom Hofgarten ans „einige Leute mit Calabrcsern" erblickt worden, wie sie „von derSeite des Natnralieucabincts von außen am Dache gegen die Bibliothek-Kuppel"gingen; doch schienen sie keine andere Absicht zu haben, als „von dort mit Fernrohrengegen die Vorstädte zu sehen". Endlich erwähnt er S. 882 einen Vorfall im Innerndes Angustinerthurms, wo mau „mehrere Stunden vor der Beschießung" einen alsTechniker gekleideten jungen Mann entdeckt habe, der sich verborgen gehalten und,über sein Hiersein befragt, die verschiedensten Antworten gegeben habe; also gleichfallsnur ein Umstand des Verdachtes, nicht der Gewißheit. Der sehr verdienstvolle undin allem, was er aus eigener Erfahrung angibt, durchaus glaubwürdige L. Randnitzsührt im „Oesterr. Courier" S. 1136 eine Acußerung Bccher's an, die er, alsjemand Besorgnisse wegen der werthvollen Schätze der kais. Hofburg ausgesprochen,gemacht habe: „Was wollt Ihr mit diesem Plunder? Braucht Ihr nicht Brenn-Material? Scheinen Euch diese Bücherschränke heilige Schätze? Fort mit demRnmpelwcrk! Ein solches Volk braucht keine Bücher!" Doch abgesehen davon, daßder Berichterstatter nicht angibt, daß er selbst oder sonst ein Verläßlicher diese Worteans Bccher's Munde vernommen habe, so würden sich dieselben immer nur als Be-weis für eine böswillige Absicht, nicht im geringsten aber für die vollbrachte Thatanführcn lassen. Schließlich dürfen wir Adolf Pichler's unanfechtbares Zeugnißnicht unerwähnt lassen, der sich S. 44 ans „Beamte der Bibliothek" beruft, „diewährend des Brandes sich daselbst befanden" und die „versicherten, daß vom Gewölbedes Daches Pechkränze herunter gefallen seien; man rieche den Gestank davon nochim großen Saale". Das bewiese nun allerdings, daß Pechkränze oben wirklich ge-legt waren; daß aber dieselben von den Aufständischen wirklich angezllndet wordenseien, beweist es keineswegs, Kann letzteres nicht ebenso durch die Wurfgeschosse derTruppen, ohne daß es von denselben beabsichtigt worden, geschehen sein? Denn daßdas Militär absichtlich und mit Vorsatz seinen Geschützen die Richtung gegen die Burg