Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
497
Einzelbild herunterladen
 

Anmerkungen.

497

ihrer Vcrurtheilnng die Gnade ansgebeten, den Bahnhof sturmen zu dürfen; „siethaten er unter einem fürchterlichen Blutbad"; darauf habe ihnen der Marschall ver-sprochen, ,,ihre Begnadigung beim Kaiser erwirken zu wollen". Es verlohnt sich nichtder Mühe, diese letztere Version zu widerlegen.

I7l) S. 247. Bor der Gumpendorscr Linie verlor das Militär im Lause desTages an Todtcn 1 Osficicr und 7 Mann, an Verwundeten 2 Officiere und IN Mann,2 Jäger wurden vermisch. Wir führen das hier an, nicht als ob die Truppen vorden andern Linien nicht auch Verluste, ja theilweise viel bedeutendere, ertitten hätten,sondern weil uns eben nur von diesem Punkte eine genauere Verlustliste zur Verfü-gung stand.

1721 S. 248. Im Hauptquartier des Fürsten Windischgrätz Pflegte man es alseine besonders kluge Maßregel zu rühmen, daß er am 28. jene beiden Vorstädte zumHauptziel seines Angriffs erwählt habe, „die sich im Laufe der Revolution als diebestgcsinnten erwiesen hätten", nämlich die Landstraße und die Lcopoldstadt. Ange-nommen die Nichtigkeit der Behauptung, so ließ sich dieser Factor jedenfalls nurdann in Rechnung bringen, wenn in den beiden „bestgesinnten" Vorstädten auch nurdie Bewohner derselben handelnd auftratcn. Das war nun aber thatsächlich nichtder Fall, und auch gar nicht voranszusetzcn, daß cs der Fall sein würde. Auf derLandstraße waren es in der Hauptsache nicht die Landstraßencr und in der Leopoldstadtnicht die Lcopoldstädter, die am 28. den kaiserlichen Truppen die Spitze boten, son-dern es waren die Mobilen, die Arbeiter, die Legionäre, kurz Elemente, die allenVorstädten insgcsammt und keiner besonders angchvrten. Wenn also Fürst Windisch-grätz wirklich von der Eingangs erwähnten Annahme ansging, so lag derselben einarger Nechnungsfehler zu Grunde. In der That hat ihm die Bezwingung der beiden„bestgesinnten" Vorstädte mehr Leute gekostet, als die aller übrigen zusammengenommcn,inbegriffen Mariahilf, Gnmpendors und Wieden, die in Hctzendorf als die „schlechtest-gcsiunten" verschrien waren. - Im Lager der Aufständischen selbst herrschte, mindestenswas die Landstraße betraf, eine ähnliche Meinung wie im kaiserlichen Hauptquartier.Als in der Nacht vom 28. zum 29. das sinnlose Geschrei über „Vcrrath" allgemeinwar, stand die Landstraße obenan im Sündenregister; „ihre Bürger", hieß es, „die sichvon Anfang durch ihr Schwarzgelblhum ausgezeichnet, hätten dem Militär den Weggebahnt; ihre Garden seien nicht zahlreich genug ausgerllckt, hätten zuletzt ans die sichzurllckziehcnden Vertheidigcr geschossen" u. dgl. In allen der radikalen Farbe ange-hvrenden Schriften über die October-Ercignisse findet man Ausfälle über die „Feigheit"der Landstraßener Nationalgardcn, ohne daß irgendwo ein Beweis bcigcbracht würde,daß die Nationalgarden irgend einer andern Vorstadt tapferer und ausdauernder ge-kämpft hätten. Wenn am 28. die Leopoldstadt hartnäckiger vercheidigt wurde als dieLandstraße, so lag der Ertlärnngsgrnnd einfach darin, daß in der Lcopoldstadt dieNertheidignngsanstaltcn ohne Vergleich stärker waren als auf der Landstraße, und daßdort die besten Führer. Bem an der.Spitze, den Ton angaben, während die Verthci-diger der Landstraße einzig sich selbst überlassen waren. Der „Hansjiwgel" bringt im3!>. Heft, S. 12 s. den Bericht eines Augenzeugen, der ausdrücklich klagt, cs habe„sich kein Oberst Wittenberg, kein Oberst Gritzner, kein Ealabreser, keine weiße, grüneund'rolhe Feder, kurz niemand von den Anführern sehe» lassen; er hat mit traurigemHerzen g'seh'n, daß s' ang'führt sein". Dessenungeachtet mußte vom Militär, wieaus unserer Erzählung hervorgcht, Bollwerk um Bollwerk erstritten werden, und wennman in Wiener Berichten selbst liest, bei der Vertheidigung der Linien-Barricade vonSt. Marx seien von 200 Mann 80 gefallen, so war das doch sicher kein Zeichen von

32