Anmerkungen.
4Ü9
zeigten sich finstere Mienen, bei den Soldaten wurden Verführungsversuche gemacht,man wollte sie bereden auf die Wiener nicht zu schießen rc., so daß das Bataillonam nächsten Tage sroh war, die Stadt im Rücken zu haben. Geschichte des k. k. L.-J.-R. Schönhals in den Jahren 1848/49 (Troppau, Traßler, 1852), S. 16 s. —S. dagegen eine Correspondenz ans Lundenburg 16. Oktober, die ein „volksfreund-licher Untcrofficier vom J.-R. Parma" an die „Wiener Zeitschrift" (Nr. 212 v. 24.,S. 850) richtete und worin sich Schreiber über die „Gesinnung oder eigentlich Ge-sinnungslosigkeit der Landleute und Städter" anfhält, „die sich besonders in Wessely,Straßnitz und Göding ans eine verachtungswerthe Weise kundgab". Die National-garden überboten sich „im Beschimpfen der akademischen Legion, des Stolzes vonOesterreich, aus eine erbärmliche Weise. In Straßnitz hat sogar ein Gardefeldwebelnebst einem jungen Gardisten uns mit Wein tractirt, uns gegen die Legion aufmun-ternd, damit die weiland ruhige Zeit von 1847 und ihr Held von London zurück-kehren möge". — Der angebliche „Unterosficier" dürste kaum viele Gesinnungsge-nossen unter seinen Cameraden gehabt haben; mindestens gehörten die Parmaner inden letzten Octobertagen nicht zu jenen Truppen, die sich durch gelindes Auftretengegen die besiegten Aufständischen auszeichneten.
48) S. 86. „Ich habe mit Freuden bemerkt, daß unter den zahlreichen Officie-ren, die ich im Lager und in den Cantounirungen sprach, keine reactionären Ten-denzen sich kundgaben." ^,-Corresp. der „A. A. Ztg." (S. 4756) aus Baden 22. Oct.— Aehnlich hieß es in der „Bvhemia" Nr. 231: „Ich muß gestehen, daß die Offi-ciere im Ganzen durch ihr Benehmen uns nur Ursache gaben, zufrieden zu sein. ESfiel auch keine einzige Aeußerung, die uns hätte nahetrcten oder als schmähend gegendie Bevölkerung Wiens betrachtet werden können. Vielmehr erbaten sie sich undnahmen alles mit der größten Höflichkeit" rc. Es verdient bemerkt zu werden, daßvr. Kapper diese Bemerkung am 25. und 26. October, also unmittelbar nach denzur Erstürmung des Augartens vorausgegangenen hartnäckigen und blutigen Kämpfenmachte. - Hieher gehört auch das interessante Gespräch Weißenberger's mit den Ge-neralen an der fürstlichen Tafel in Hetzendorf, bei Dunder S. 719—722. Auf dieBemerkung Weißenberger's, daß man in Wien fürchte oder doch die Leute glaubenmache, Windischgrätz sei nur gekommen die Freiheit niederzutreten, antwortete einerseiner Nachbarn: „Glauben Sie denn, daß wir nicht auch Menschen sind und denDrang nach Freiheit im Herzen fühlen? Wir sind gekommen, unfern hochherzigenFürsten an der Spitze, die wahre Freiheit zu retten und Wien vom Terrorismusder Schand-Literatur und der Jungenwirihschaft zu befreien. Niemals werden wirdas Schwert ziehen zur Vernichtung der vom Kaiser seinen Völkern verliehenen In-stitutionen." — Wenn wir dagegen im „Radicalen" Nr. 109, S. 440, angeführtfinden, dem Abgeordneten Sturm ans Steiermark hätten höhere Officiere „ganzdeutlich erklärt: in Wien gäbe es keinen Reichstag, dort säßen bloß die Mörder La-tour's, über welche die blutigen Würfel gefallen seien", und Major Augustinetz habesogar „die bedeutungsvollen Worte" gesprochen: „Oesterreich soll entweder slavischwerben oder unter dem Schwerte verbluten!" so halten wir die letzteren aus innernGründen für durchaus unwahrscheinlich, während wir die elftere Aeußerung bei demUmstande, daß der Oberfeldherr selbst den Wiener October - Reichstag grundsätzlichnicht anerkannte, ganz glaubwürdig finden.
49) S. 87. Wir wollen keineswegs in Abrede stellen, daß selbst vor Beginnder eigentlichen Kampfestage einzelne Uebergrifse von Seiten des Militärs vorgefallensein mögen, wie es auch andrerseits gewiß nicht an mancher Herausforderung vom