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Anmerkungen,
dasjenige was inan früher gelobt. Es ist dicß keine Charakterlosigkeit, sondern einenatürliche Folge der Ereignisse jeden Augenblickes."
14) S. 23. Die angeblichen Ueberlänfer zu den Aufständischenwährend der Belagerung. In den ersten Tagen der Einschließung träumtendie Aufständischen von massenhaften Uebertritten der Truppen znm Volk und warenungemein erfinderisch, die übertriebensten Gerüchte in Umlaus zu setzen, und leicht-gläubig genug, sie für wahr hinzunehmen. Alle diese Märchen fallen in die Zeitdom 23. bis 25. October: „An der Nnßdorfer Linie gingen 80 Grenadiere, nachandern Nachrichten 200, mit Sack und Pack zu uns über; dadurch entspann sich dasGefecht, weil das dort postirte Militär die Ueberlänfer verfolgte". „Wiener Postillon"d. 23. Eine ähnliche Nachricht brachte die „National-Zeitung" S. 311. Daß vor derNnßdorser Linie gar keine Grenadiere sich bcsanden, davon hatten die Leute so wenigeine Ahnung, daß andere Blätter, wie z. B. der „Stndcntenconrier" v. 24. sogar be-stimmt angabcn: „Gestern sind 80 bis 100 Soldaten von Ludwig-Grenadieren über-gegangen." (Erzh. Ludwig-Grenadiere gehörten zum Grenadier-Bataillon Schwärzt,das in der Brigade des G--M. Frank in der Jnzerüdorfer Gegend stand.) Das Ge-rede der Menge ging noch weit über die Behauptungen der Tagesblätter hinaus, undin der Stadt wußte man am 23, R.-M. gar von „zwei Bataillons Grenadieren undsechs Kanonen, die zur Vertheidigungsmannschast übergegangen" seien. Dann hieß eswieder am 24.: „Heute sind abermals mehrere Ueberlänfer, unter andern auch ei»Osfieicr, von der Bclagerungsarmcc eingetroffen." Der „Oesterr. Courier" erzählte am25,: „Im Lager der kaiserl. Truppen soll das Entweichen von sechs Chevauxlegersbemerkt worden sein. Sogleich wurden denselben sechs Mann derselben Escadron»achgesandt, um sie entweder zurückzubringen oder niedcrznhanen; doch die Nacheilen-den riesen den Vorder» zu: Eilt, wir reiten mit euch! Eine halbe Stunde späterlangten alle zwölf, Verfolger wie Verfolgte, in der Henmarkt-Caserne an." Endlichberichtete die „Nationalzeitnng" Nr. 81, S. 316, gleichfalls vom 25.: „Sehr vieleUhlanen sind wieder znm Volke übergcgangen und wir haben selbst mehr als 50 durchdie Taborstraßc reiten gesehen," Andere Nachrichten lauteten nur allgemein, aber umso ausgibiger; z. B. in der „Wiener Zeitschrist" Nr. 212 v. 24,: „Täglich gehenSoldaten ans dem feindlichen Lager zu den Wienern über, welche versichern, daßwenn es zu einer Schlacht käme, tausende ihrem Beispiele folgen würden."
Einige dieser Angaben wurden theilweise später von den Journalen selbst wider-rufen, die sie gebracht. So war das Studenten-Comits so ehrlich, am 25. zu erklä-ren: „Der gestrige Vorfall bei der Nnßdorser Linie wird dahin berichtigt, daß keinMilitär übergegangen sei"; von den übrigen Tagesblättcrn aber, die alle die falscheNachricht ausgenommen hatten, fanden wir nur im letzten Blatte des „Freimüthigen"S. 682 die wahrheitsgetreue Berichtigung. An einem andern Orte (wir haben leiderin unser» Aufzeichnungen die Quellenangabe verabsäumt) lasen wir: „Nach genauerErhebung der Umstände durch Augenzeugen stellte sich heraus, daß drei Ueberlänferdie ganze übcrgegangene Macht rcpräsentiren." Das waren wohl dieselben, zweiKanoniere und ein Kürassier, alle drei geborne Wiener, die Sicgfr. Kapper („Bohemia"Nr. 221) mit eigenen Augen gesehen und deren abenteuerliches Unternehmen er aus-führlich schildert. Auf diese drei Mann bezieht sich offenbar auch, was Pichler(März- und Octobcrtagc) S. 31 von der Hernalser Linie znm 23. Oktober erzählt:„Aus einmal hörte man von der Nnßdorfer Seite und dann von Währing her lau-tes Jubelgeschrci; Posten gab an Posten die frohe Nachricht ab, es seien zwei Batail-lone Infanterie und eine Escadron Cavallerie übergegangen. Dieser Umstand möge