Anmerkungen. 459
nehmen." Welcker in der Paulskirche am 29. November 1848, Stenogr. ProtoeolleS. 3690.
9) S. 19. Das officielle Hauptblatt der „Wiener Zeitung" beschränkte sich inder zweiten Hälfte Octobers auf amtliche Mittheilnngen und die gewöhnlichen An-kündigungen. Desto ungebundener bewegte sich die Rcdaction in der Abend-Beilage:„Die Freiheit verlangt die Entnationalisirung des Staates wie die Entkirchlichungdesselben" (13.). „Die Haltung des Gemeinderathcs wird eine ruhmreiche Epoche inder Geschichte unserer Jetztzeit machen" (24.). Die Redaction ereisert sich gegen dieVertagung, Entlassung oder Verlegung des constituirenden Reichstages „ohne seineZustimmung" (25.); sie bringt „dem Reichstage ein Hoch", als dieser das Verfahrendes Fürsten Windischgrätz sür ungesetzlich erklärt. Ihre Nachrichten vom Kampfplätzekonnten eben so gut im „Radikalen" stehen; die Ausständischen heißen ihr consegucnt„die Unseru"; sie druckt die Berichte Bem's an Messenhanser, worin die kaiserlicheArmee regelmäßig die „Nebellentruppen" heißt, ohne irgend eine Redactions-Bemer-kung ab re.
10) S. 20. Zu dem schamlosesten, was in dieser Richtung hinansgegcben wurde,gehörte ein offenes Schreiben Joseph Hrczka's „an die Comtesse N. N." in derletzten Nummer (178) der „Constitution", worin er den in der „Festung Olmüz"weilenden Hof mit der „eour äes miraeles" von Notre-Dame in Paris verglich.Die Comtesse wisse vielleicht nicht, was das sei; er wollte es ihr erklären: „DerWunderhof ist nach Victor Hugo's Schilderung nichts anderes als das finstereRendezvous der ärgsten Spitzbuben, der Vereinignngspnnkt aller Diebe, Mörder undMordbrenner; beim Tage leben sie vom Bettelbrode der Gesellschaft; es sind lauterJammergestalten" :c.
11) S. 21. Wir verstehen zwar nicht recht, waS mit diesem „Sparta in seinerewigen Nacht" gesagt sein will, aber vielleicht versteht es der geneigte Leser. DieWorte sind entlehnt einem Gedichte Alfred Meißner's: „An Wien!" im Feuille-ton des „Freimüthigen" Nr. 17 l v. 24. October. Andere Strophen lauten:
„Im eignen deutschen Hause warst du ein armer Knecht,verbündete Slaven und Sclaven dictirten dir dein Recht."
„O bleib in Waffen gerüstet, bau fort zu deiner Wehrean deinen Barricaden, die heiliger als Altäre" rc.
12) S. 21. S. auch das Gedicht: „Kecker Ban, komm nur an!" im Feuille-ton des ,.Radikalen" Nr. 109 v. 24. October, wo sich die Redaction über „die scigeWeigerung mehrerer hiesigen Druckereien, dieses Gedicht als Flugblatt erscheinen zulassen", beklagt. Das Gedicht, dessen Verfasser sich nicht nennt, verräth übrigens großeFormgewandtheit. Hier nur eine Strophe:
Kecker Ban, komm nur an!
In deni Zeughaus kannst du seheneinen Türkenschädel stehen!was geschah kann noch geschehen,
Kecker Banns, komm nur an!
13) S. 21. Alexander S ko fitz: „Die Tage seit dem 6, October und ihreFolgen aus unsere Stimmung", im „Oesterr. Courier" Nr. 257 v. 26. October: „Mitdem Wechsel der Vorfälle ist man genöthigt, auch theilweise seine Meinung zu wech-seln, und man wünscht oft das, was man noch vor kurzem Lesürchtet, und schmähet