444 III. 3V. Nachspiel in Lemberg, l. und 2. November.
herrschte über der Stadt. In den Straßen, die zwei Tage frühervon einem lärmenden und übermüthigen Gewühls durchwogt waren,sah man kaum einzelne scheue Gestalten vorbeihuschen, die es ver-mieden , einer der zahlreichen militärischen Schildwachen in den Wurfzu kommen^). Nach Bezwingung der Stadt war es Hammerstein'seifrigstes Bemühen, die Mannszucht seiner Truppen aufrecht zu halten.Als am 2. Abends einige Soldaten Plünderungsgelüste zeigten, ließsie der Commandirende ohne weiters kriegsrechtlich behandeln, undkeine Ausschreitung solcher Art kam mehr vor. Dagegen brütete dierevolutionäre Partei noch Unheil. Wiederholte Schüsse, die in derNacht vom 2. zum 3., und noch am Vormittag darauf aus Fensternund Kellern aus die Truppen abgefeuert wurden, nöthigten Hammer-stein zu ernsteren Maßregeln. Sie erfolgten mit der Erklärung desBelagerungszustandes und der damit verbundenen allgemeinen Ent-waffnung, Auflösung der Rada uarodvwa centralna, Einstellung desVereins- und Versammlungsrechtes, Suspendirung aller Tagesblüttermit Ausnahme der beiden amtlichen Landeszeitungen, Androhung desStandrechtes aus Aufwiegelung oder bewaffneten Widerstand gegendas Militär. Aus dem städtischen Ausschüsse mußten drei und dreißigMitglieder austreten, die übrigen siebenundsechzig gaben ihre Ent-lassung; Gubernialrath Höpflingen übernahm im Auftrag des Com-mandirenden die Leitung des Magistrats und erhielt zwölf Vertrauens-männer aus der Stadtgemeinde an seine Seite. General Bordolowurde zum Stadt-Commaudanten ernannt und an die Spitze derMilitär-Commission gestellt, welche die Forderungen des Belagerungs-zustandes dnrchzuführen, deren Befolgung zu überwachen hatte. Andie Stelle der von Stadion aufgehobenen Polizeidirection wurde einek. k. Stadthauptmannschaft eingesetzt, die im Dybicki'schen Hauseihren Sitz anfschlug, und eine militärische Sicherheitswache, 230 Mannstark, gebildet. Bezüglich der noch in Lemberg weilenden Emigrantenerging, bei Erlag von 100 fl. Geldbuße oder Arreststrafe, an alleHausbesitzer das Gebot unverzüglicher Anzeige beim Vorstande desStadt-Magistrats. * Am 9. verließ der erste Transport die Stadt,der am 10. früh in Krakau eintraf. Die Ankömmlinge hatten diegemessene Weisung, binnen achtundvierzig Stunden das österreichischeGebiet zu räumen. Drei junge Leute, aus dem Königreich Polengebürtig, wurden am 11. V.-M. mittelst Eisenbahn über die russische