Verfrühte Nachrichten ans Wien.
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zu sein. Während ein Theil den Losbruch unmittelbar in der Lan-deshauptstadt betrieb, meinte ein anderer, der polnischen Sache besservon langer Hand her zu nützen, wenn man vorerst dem magyarischenAufstande neue Kräfte zuführte. In der That wollte am 31. eineAbtheilung Studenten nach Ungarn aufbrechen; doch wurde ihr Vor-haben vereitelt, sie mußten Zurückbleiben. Das verursachte neue Er-bitterung.
Am 1. November sah alles darnach aus, daß eine Katastropheerfolgen müsse. Fremde strömten von allen Seiten in die Stadt,unter den Legionären und Nationalgarden herrschte unruhige Ge-schäftigkeit. Zwei riesige Placate klebten an den Mauerecken: daseine vom Nationalrathe über die Vorfälle der letzten Tage, das an-dere eine Dank-Adresse des städtischen Ausschusses an den Wiener-Reichstag für dessen „muthvolles Ansharren auf der Bahn der Frei-heit". Der Pöbel durchzog lärmend und singend die Straßen, einsummendes Hinundherwogen der Menge erfüllte den Mittelpunkt derStadt, besonders die Umgebung der Universität. Die herausforderndeHaltung der Parteiführer ließ das schlimmste befürchten; der geringsteAnlaß konnte zu einem Zusammenstoß führen. Es war gegen 0 Uhr-Abends, als zwei verschiedene Gerüchte durch die Stadt liefen Einpaa^ Soldaten vom Regiment Michael, so lautete das eine, sei esnach Durchfeilung der eisernen Fensterstäbe gelungen, dem Stabs-stockhause in der Krakauer Vorstadt zu entspringen; ihre Flucht seiaber bemerkt worden, das Militär habe ihnen nachgesetzt und sie mitGewalt in ihr Gefängnis zurückgebracht. Gleichzeitig wurde vonanderer Seite erzählt, ein Kanonier sei beim Nachhausegehen ansdem Wirthshause niit zwei Nationalgarden, Schneidergesellen, inWortwechsel gerathen, habe seinen Säbel gezogen, den einen seinerGegner getödtet, den andern verwundet und sich darauf vor der em-pörten Menge in seine Caserne gerettet^), Es gab jetzt erregteAuftritte an allen Orten. Unter dem Gewühle auf dem Hauptplatzhörte man Fluch und Schimpf gegen Hammerstein, gegen das Militärgegen die Camarilla. Wie zum Ersatz für den entkommenen Kano-nier wurde der Platzhauptmann Haymerle ergriffen und auf die imNathhausgebände befindliche Hauptwache der Nationalgarde geschleppt,bis ihn eine anrttckende Schaar kaiserlicher Grenadiere, die drohendihre Bajonnete fällte, wieder befreite. In der Rothenklostergasse