432 HI- 31- Nachspiel in Lemberg, 1. und 2. November.
in den letzten Octobertcigen in der Hauptstadt Galiziens vieles zusam-men, die allgemeine Aufregung zu steigern. Der Landes-Gonverneurwar abwesend — er hatte sich schon am 28. Morgens nach Brzezanbegeben, um einige Misverständnisse zwischen Bauern und Grund-herren, dann zwischen letzten! und dem Kreishauptmann Widmannanszugleichen —, als sich in Lemberg die Kunde verbreitete, Wienhabe capitulirt. Es war das einer jener Schatten, welche das ganzeJahr <848 hindurch die im westlichen Europa vorfallenden Ereignissenach Galizien vorauszuwerfen pflegten, auf deren nahen Eintritt, sounwahr die Nachricht im Augenblicke noch sein mochte, man fast mitSicherzeit zählen konnte. Dazu liefen noch andere Meldungen ein,die den Eifer der Bewegungspartei herabstimmten: von unterdrücktenMeutereien unter den Husaren, von ärgerlichen Borfällen bei derSamborer Nationalgarde, von der bedrohlichen Stimmung des Land-volks. Die Rada narodowa centralna, welche um dieselbe Zeit eineUmgestaltung ihres Organismus im Werke hatte, verschob im Ein-verständnis mit ihren Zweigvereinen die Angelegenheit, um vorerstden Ausgang der Wiener Ereignisse abzuwarten. Am 29. gab esim Schoße des Stadtrathes heftige Auftritte über eine scheinbar un-bedeutende Sache: das den bewaffneten Bürger-Corps vom Kaiserverliehene goldene Portd'öpöe, welches Einige durch ein silbernes,nationalpolnisches, ersetzt wissen wollten; sie drangen zwar mit ihremVerlangen nicht durch, aber auch die andere Partei vermochte dieFrage nicht zum Abschluß zu bringen, deren Berathnng auf den1. November verschoben wurde. Am Montag belebten sich die Hoff-nungen der Revolutionäre von neuem. Wieder wie ani 28. umeinen Tag voraus, wollte man in Lemberg schon am 30. wissen,Wien habe die eingegangene Capitulation gebrochen, sich von neuemerhoben und werde bombardirt. Zur selben Zeit, da vor Schwechatdie Ereignisse noch in der Schwebe waren, wollten die Führer inLemberg schon Nachrichten von dem Erscheinen der Ungarn vor Wienhaben; Jelacic sei gefangen, das Belagernngsheer zerstreut und ver-nichtet. Nun war keine Zeit zu verlieren. Die Gazeta narodowaverbreitete einen Aufruf zur Ergreifung der Waffen. Aus demSchoße der Akademie gingen geheime Weisungen in die Stadt undnächste Umgebung, die Wehrfähigen für den l. November bereit zuhalten. Doch schien die Partei in ihrem eigenen Lager nicht einig