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III 30. Belagerungszustand.
ein Luxusartikel, den inan seit Wochen nicht kannte. Die Männer-häupter bedeckten sauber gewichste Cylinder, von den Spöttern jetzt„Angslröhren", in der HanSjvrgel-Sprache „Tremazögerl" genannt.Man gab sich Muhe, nur ja recht unschuldig drein zu schauen. DemMilitär suchten sich die Leute in jeder Weise gefällig zu zeigen, dieeinen aus angstbefangener Wohldienerei, die andern aus aufrichtigerErkenntlichkeit für die Erlösung aus den Nöthen einer schweren Zeit.Die Soldaten hatten das beste Leben. Non allen Seiten, aus Woh-nungen und Gasthäusern trug mail ihnen Speisen, Getränke, Cigar-ren zu, die sie mit mehr innerer Freude als geäußertem Dank Hin-nahmen; denn noch trauten sie nicht den viel verschrienen Wienern.Abends wurde es zeitlich still und öde auf den Straßen; nur dieSoldaten sangen hier eine melancholische Natioualmelodie, dort einlustiges Liedel, die Böhmen ihr beliebtes „Üusollca uüin mankonnte Studien über die Sprachen aller österreichischen Stämmemachen, wenn mail die verschiedenen Plätze abging. Die hell flackern-den Wachtfeuer kamen übrigens bei der erloschenen Gasbeleuchtungauch dem allgemeinen Besten zu statten. Am 2. verordnet dannder Gemeinderath, daß in der Stadt und allen Vorstädten von einerNacht zur andern abwechselnd jedes zweite Haus eine hellleuchtendeLampe aufzustellen und von einfallender Dämmerung bis Tages-anbruch brennend zu erhalten habe.
Der 2. November war Allerseelentag. Zum erstenmal seitmehr als zwei Wochen, wo sie nur Kampf verkündeten und Sturmriefen, ertönten heute die Glocken in friedlichem Geläute. Alle Kir-chen waren von Betenden überfüllt; konnte man doch nicht hinausauf die Gottesäcker, wo theure Verstorbene ruhten! Aber auch derVielen, die in den jüngsten Tagen als Opfer eines unseligen Bruder-kampses gefallen waren, wurde hier mit Wehmuth dort mit heißenThränen gedacht. Doch ließ sich die hermetische Absperrung derStadt nicht lange aufrecht halten. Als erste Erleichterung gestat-tete Csorich, beim Rothenthurm-Fahrthor und beim alten Kärntner-thor „unbedenkliche Frauenspersonen" aus der Stadt zu lassen. DieEinfuhr von Lebensmitteln that Noth. In vielen Gasthäusern War-schau seit Tagen das letzte Stück Rindfleisch aufgezehrt; an den Barri-caden und auf den Basteien war mehr als ein Pferd, das siel odererstochen werden mußte, zerhackt und in den Fleischtopf geworfen