Absperrung der Stadt und der Vorstädte.
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Am 1. November waren die innere Stadt gegen die Vorstädte,die Vorstädte gegen die Stadt und nach außen vollständig abgesperrt.Bei jedem Linienthor hielt eine größere Truppenabtheilung miteinigen Geschützen Beiwacht; um die Wälle lief eine Postenkette vonfünfzig zu fünfzig Schritt aufgestellter Infanteristen, in deren Zwischen-räumen außerhalb des Wallgrabens ein Cavallerist mit gespannterPistole lauerte. Hinein und hinaus durfte nichts, was nicht zumMilitär gehörte; selbst Särge ließ mau nicht passiren, bevor inan siegeöffnet und untersucht hatte, weil Anzeigen eingelanfen waren,daß sich compromittirte Personen auf diesem Wege in's Freie schaf-fen lassen wollten. „Ich sage nicht zuviel", schrieb jemand zu jenerZeit, „wenn ich Wien in diesem Augenblicke eine unter die Luft-pumpe gestellte Stadt nenne; die Provinzen wissen nichts von ihr,sie weiß nichts von den Provinzen." In den Vorstädten war manvon allen Behörden, von allen Menschen und Geschäften der innernStadt abgeschnitten; Leichen lagen bis zu acht Tagen in den Häu-sern, weil sich die Todtenbeschau nicht vornehmen ließ'"H. Aberselbst in der nächstgelegeneu Leopoldstadt hatte man keine Ahnung,was in Wien vorging, so tvenig als mau hier wußte, wie es jenseitsdes Donau-Canals aussah. Die innere Stadt glich einem großenFeldlager. Auf allen Plätzen standen lange Linien von Musketen-Pyramiden, daneben um Wachtfeuer die fröstelnden Soldaten, hinterihnen Geschütze, jedes in Begleitung von einem schwarzüberzogeneuMunitionswagen. Generale und Officiere sprengten durch die fort-während von Patrouillen durchzogenen Straßen, an deren Ausmün-dungen ausgestellte Posten Wache hielten; Bagage- und Fourage-Wagen, von Soldaten geleitet, rollten über das Pflaster. Hin undwieder sah man eine Abtheilung Militär mit aufgepflanztem Gewehrevor einem Hause, wo man nach denuncirten Personen fahndete. DieStadtthore waren gesperrt, von starkeil Detachements besetzt und be-wacht. Die Straßen waren belebt, Gast- und Kaffeehäuser überfüllt.Dennoch war es im Vergleich zu dem wilden Getobe der letzten Tage,als ob Todteustille über der Stadt lagerte. Wer sich auf der Gassezeigte, hatte seinen besten Rock angezogen, um nicht für einen vomPöbel gehalten zu werden; in den Tagen zuvor hatte man es ausentgegengesetztem Grunde umgekehrt machen müssen. Es waren fastnur Leute mit Handschuhen zu sehen, möglichst hell und glänzend,