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III. 30. Belagerungszustand.
frei ein- und ausgehen zu lassen. Für sämmtliche Deputirte wurdeein Paß-Büreau eingerichtet, um ihre Abreise zu beschleunigen; denen,die in Wien blieben, wurde nicht das geringste in den Weg gelegtund insbesondere das Präsidium mit einer Rücksicht behandelt'^),die einen wohlthnenden Gegensatz zu den Perorationen über die„rohe Gewalt", die „wilden Horden" und den „neuen Dschingischan"bildeten, von denen die Wände des Reichstagssaales in den Tagenzuvor so unaufhörlich wiederhallt hatten. „Die Acten des permanen-ten Ausschusses sind geschlossen", hatte Schnselka damals ausgerufen;„aber die Acten der Geschichte sind nicht geschlossen, sondern sie wer-den eröffnet bleiben, bis das Urtheil erfolgt." Nun, das Urtheilder Geschichte ist erfolgt^").
In unmittelbarer Nähe, wo sich die eben geschilderten Vorgängeereigneten, auf dem Josephsplatz, in der Augnstinergasse, ans denangrünzenden Basteien war noch alles vollauf mit der Bändigungdes Elementes beschäftigt, das da seit gestern Abends fortwüthete.Ans den meisten Vorstädten waren Löschwerkzenge zur Stelle geschafftund gegen 2 Uhr N.-M. konnte man sagen, daß dem weitern Umsich-greifen des Feuers Schranken gesetzt seien; unter dem Schutte jedochglimmte es noch drei Tage fort und erst am Samstag, 4., gelang esden wackern k. k. Pionieren den letzten Funken zu ersticken.
In den Stunden des ersten Schreckens hatten die Bessersühlendengejammert, daß alle wissenschaftlichen und künstlerischen Sammlun-gen, über welche die Dachungen der Hof-Bibliothek und des Natura-liencabinets sich schützend ausbreiten, dem Untergang geweiht seien;auch Canova's Meisterwerk hatte man eine Beute der Verwüstunggeglaubt. So weit war es glücklicherweise nicht gekommen. DasInnere der Augustinerkirche hatte in Folge des Brandes der Dachungviel und stark gelitten; das wundervolle Grabmal Christinens jedochwar unversehrt geblieben. Auch die reichen Schätze der Hof-Biblio-thek hatten keinen Schaden genommen. Vom Naturaliencabinet waralles in Flammen anfgegangen, was sich in Kisten auf dem Dachbodenund im obersten Stockwerke befunden, und auch die ornithologischeSammlung hatte durch das Wasser der Pumpwerke und den dabeianfgewirbelten Staub viel gelitten; doch war dieser Schade kein un-ersetzbarer und die übrigen Sammlungen blieben gerettet. Eben sohatten die kostbaren Bildwerke und die Bibliothek des Kolovrat'schen