412 III. 29. Einmarsch der kaiserlichen Truppen, 31. Abends.
hohe schwarze Rauchsäule, bis das Kupfer geschmolzen war uud ausder Krone fünf regelmäßige Flammen gleich denen eines Leuchtthurmsemporschossen. Lange hielt sich die Spitze mit dem Kreuze aufrecht,bis sie, gegeil 9 Uhr Abends „^hr wanken begann
und langsam in sich selbst zusammensank, lieber der Hof-Bibliothekbrannte noch die obere Balkendecke, doch war man nahe daran sie zulöschen. Der Atlas reckte seine leeren Arme empor, die keine Welt-kugel mehr zu tragen hatten^), vor der rechten Front lagen meh-rere der kolossalen Statuen in tausend größeren und kleineren Stückenauf dem Platze zerstreut; nur die Quadriga ober dem Vorsprungstaud unverletzt.
Es ist das eigenthümliche großer Städte, daß sie zu gleicher Zeitin ihren verschiedenen Quartieren Schallspiele ganz entgegengesetztenCharakters bieten können. Während auf dem Josephs- und Lobkovic-Platze, auf den benachbarten Basteien und in den nächstgelegenenGassen die leidenschaftlichste Thätigkeit herrschte, Menschen und Thieremit vollster Kraftanstrengung arbeiteten, alles durcheinander lief undrief, schrie und lärmte, und die ganze jeden Augenblick wechselndeScene mit den hocherglühten Gesichtern, den funkelnden Blicken, densehnigen Armen von einem unruhig wogenden, sausenden und kni-sternden Flammenmeere wie mit Tageshelle erleuchtet war: konnteman sich ein paar Straßen weiter in ein Friedenslager versetzt den-ken, wo schaulustige Stadtbewohner, die sich zu wundern scheinen wiesich der Belagerungszustand so gar gemüthlich anlasse, hin und herwogen, hier vor einer Gruppe um ein großes Feuer gelagerter Sol-daten stehen bleiben, dort mit einzelnen Kriegern ein Gespräch an-knüpfen und sich theilnehmeud die erlittene Mühsal und glücklichüberstandenen Gefahreil schildern lassen, oder einen auf dem Postenstehenden Kroaten anstannen, der in seinem von Wetter und Stra-pazen arg mitgenommenen Gewand scheu um sich blickt; ihm ist dieUmgebung eben so neu wie er ihr, und er hat in den letzten Wochenvon den fürchterlichen Wienern so viel gehört als sie von ihm. Unterden einmarschirten Truppen gab es viel slavische Elemente, und „nixdeutsch'^ war häufige Antwort auf die an einen Soldaten gerichteteFrage. Mit welchem Selbstgefühl thaten sich dann jene hervor, denenes gegeben war böhmisch oder kroatisch zu sprechen, und die sich da-durch mit dem Militär auf guten Fuß zu setzen wußten! Wie grau-