4« m> 28. Bombardement der inncrn Stadt, 31. Ortober N.- M.
und Ueberläufer würden alles niedermetzeln, was sich im Thurmbefinde". Doch schon überwog der Respect vor dem nahen Militärdie Scheu vor dem bewaffneten Gesindel, und die Fahne blieb.
Auf die Meldung von dem Widerstande, den das Militär vordem Burgthor finde, hatte der Feldmarschall den Auftrag gesandt,von der weitern Beschießung abzulassen; es solle sich darauf be-schränkt werden, die Ausgänge der Vorstädte längs des Glacis unddes Wienflusses besetzt zu halten, die Stadt zu beobachten und dieVerbindung mit den Truppen Ramberg's am jenseitigen Ufer desDonau-Canals herzustellen. Gegen 5 Uhr N.-M. traf dieser Befehlaus dem Hauptquartier bei den Generalen ein und diese wollten ihreVorbereitungen treffen denselben auszuführen, als mit einemmaleder Ruf erschallte: „Die Burg brennt!" Eilig wurde ein Or-donnanz-Ofsicier in den Rothenhof beordert, sich neue Verhaltungs-befehle zu erbitten. Windischgrätz sandte den Befehl zurück, nun umjeden Preis den Einmarsch in die Stadt zu erzwingen. Ehe abersein Bote an Ort und Stelle kam, war, was er befohlen, schon invollem Gang 2 ^).
Es war zwischen 4 und 5 Uhr N.-M., als sich am Dache jenesTractes der kaiserlichen Burg, wo sich die Hof-Bibliothek befindet,dünne Rauchwölkchen bemerken ließen, die sich allmälig zu einem fin-stern Qualm verdichteten; eine Flamme zuckte empor, mit Blitzes-schnelle verbreitete sie sich rings um die Kuppel, die eine Weile wieans einem Feuerkreise zu ruhen schien, bis sie ganz vom wogendenFlammenmeer umhüllt war. Es dauerte nicht lange, so drangendichte Rauchwolken aus den Dachlucken des im seitwärtigen Flügelam Josephsplatz befindlichen Naturalien-Cabinets heraus und baldschlug auch da eine mächtige Lohe zum Himmel empor. Die eigen-thümliche bläuliche Farbe der Flammen und das heftige Aufsprühenderselben ließen schließen, daß sie einen schnell nährenden Stoff gefun-den ; es waren die vielen unausgepackten Kisten mit natnrhistorischenGegenständen, die auf dem Dachboden aufgespeichert lagen. Maneilte zum städtischen Unterkammeramt am Hof (Nr. 331), um rascheAnstalten zum Löschen zu treffen. Eine Feuerspritze rasselte durchdie Bognergasss ans den Graben; aus der Mitte verzweifelter Haufentönte ein vielstimmiges „Halt" entgegen. Die Leute auf der Spritzekehrten sich nicht daran und fuhren im gestreckten Lauf durch den