Messenhauser und Fenneberg.
405
sich bei ihm meldeten, Beträge von 40 bis 60 fl. zu ihrem bessernFortkommen mitzngeben. Später verließ er den Saal und wandelteunruhig, wie in stillem Wahnsinn vor sich hinstarrend, in den Gän-gen herum, über die Treppen in den Hof hinab, bis er, als es zudunkeln begann, unsichtbar ward. Sein ehedem bramarbasirenderNebenbuhler hatte jetzt nicht um einen Tropfen Blutes mehr in denAdern als er. Fenneberg hatte eine Zeit lang eine geheime Unter-redung mit Becher, worauf sich letzterer entfernte. Bald darauf ver-ließ auch Fenneberg das Landhaus und kam in's Centralbureau desOber-Commandos, ließ sich Passierscheine ausstellen und mehrerePässe vidiren, die er selbst mit Petschaft und Siegel versah, schnittsich mit einer Papierscheere den Bart ab und verschwand.
Allmälig wurde auch auf den Basteien der Widerstand schwächer;immer seltener fielen die Schüsse, die dem Kanonendonner der kaiser-lichen Geschütze antworteten, immer schütterer wurden die Reihen derVertheidiger. Sie erkannten, daß die Stunde der Entscheidung ge-kommen war, und sorgten für ihr Heil. Da sah man einzelne Pro-letarier behutsam die Kärtnerstraße entlang schleichen, von Haus zuHaus um Einlaß bettelnd, bis man ihnen, nachdem sie ihre Waffenauf der Straße abgelegt, irgendwo schützendes Obdach gewährte.Wilde Kerle, die sich am Vormittag als die Zwingherren der Stadtgeberdet, baten jetzt demüthig, man möge ihnen abgetragene Kleiderund Hüte schenken, damit ihre in bessern Tagen erbeuteten Montur-stücke sie nicht als militärische Ausreißer erscheinen ließen"^). Schonhatten die letzten Vertheidiger ihren Standpunkt ober dem Burgthorgeräumt, die Gewehre weggewvrfen, die Kanonen im Stich gelassen.Der Burg-Inspektor Wagner eilte, eine weiße Fahne in der Hand,durch die Laubgänge des Kaisergartens auf die Bastei und versuchtesich den Truppen vernehmbar zu machen, „daß der Schlüssel zumBurgthor nicht aufzutreiben sei, daher dasselbe eingeschlagen werdenmüsse". Auch auf dem Stephansthurm rührte es sich. Eiu Municipal-gardist erschien mit dem Befehle des Gemeinderathes, die weiße Fahneaufznziehen, sonst würde alle, die sich im Thurme befänden, stand-rechtliche Behandlung treffen. Einige drangen in die Wohnung desThürmers, nahmen ein frisches Leintuch und hingen es als Friedens-zeichen heraus. Wohl kamen Andere und schrien: „alle seien desTodes, wenn man die Fahne nicht wieder einziehe; die Proletarier