Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
404
Einzelbild herunterladen
 

404 III. 28 . Bombardement der imiern Stadt, 31. Octobcr N.-M.

nimmt nahenden Trommelwirbel; ein einsamer Tambour in Hemd-ärmeln biegt um die Ecke und schlägt unaufhörlich Alarm, wie zu seinereigenen Unterhaltung; denn niemand folgt seiner Aufforderung.

Das Bombardement war nun bei zwei Stunden im Gang. ImRücken der operirenden Truppen hielt sich alles ruhig, nur daß manhie und da auf eine Gruppe wilder Gestalten stieß, die vor inne-rer Erregung zitterten, unthätig zuschauen zu müssen, wie die kaiser-lichen Geschütze gegen die Stadt wütheten.O, hätten wir nur alleden rechten Muth", sagte in der Alservorstadt ein zerlumpter Burschzu seinen Gesellen,so ließen wir die drinnen nicht ohne Hilfe; inden Vorstädten sollte sich erheben, was Arme hat, und die Soldatenerdrücken!"Hört Ihr nicht auf, Ihr schlechten Kerle!"" unter-brach ihn ein nebenstehender Herr, der von Zeit zu Zeit aus einergoldenen Dose schnupfte;habt Ihr nicht genug Unheil gestiftet,wollt Ihr noch mehr anrichten?"" Sie betrachteten ihn mit einemtrotzigen Blicke, der zu sagen schien: Noch ist nicht aller Tage

Abend, und gingen schweigend weiter. In der Stadt gab es nuran vereinzelten Punkten kleinere bewaffnete Hansen, die sich auf dasäußerste gefaßt zu machen schienen. Ein solcher stand am Salzgries.Ein N.-G.-Officier kam herangesprengt und rief:Legt die Waffennieder, wir richten nichts mehr aus!" Da werden Flinten gegen ihngerichtet, Schüsse krachen und der Reiter stürzt zu Tode getroffenvom Pferde. Auf dem Universitätsplatz hielten bewaffnete Weiberdie vier Ecken der Aula bewacht; Frankl, der vorbeikam, beredete sieihren Posten zu verlassen, da sie beim Einmarsch des Militärs dochnichts ausrichten könnten.

Messenhauser und Fenneberg, die im Landhause weilten, sand-ten einen Aufsatz in die Staatsdruckerei, worin sie sichfeierlichst"dagegen verwahrten,als seien die von Seiten einzelner mobilerCorps gegen die kaiserlichen Truppen begonnenen Feindseligkeitenans Befehl des Ober-Commandos geschehen"; sie forderten den Ge-meinderath auf zu bezeugen, daß das Ober-Commandoim Gegen-theile seit früh morgens sich die Herstellung des Friedens und derRuhe niit aller möglichen Energie angelegen sein ließ". Der armeMessenhauser war vollständig gebrochen. Er ging aufgeregt imLandhaussaale auf und ab und verwendete die Gelder, die er nochin Händen hatte, einzelnen Mobilen und abgefallenen Soldaten, die