Stimmungen und Zustände während der Beschießung. 403
in ein Seiteugäßchen ab, lehnt hier sein Gewehr an die Mauer, ent-äußert sich seines Säbels und seiner Patrontasche, zieht seinen Lein-wandkittel aus, unter dem ein bürgerlicher Anzug zum Vorscheinkommt, reißt-alle militärischen Abzeichen von seinem Hut herab undtritt dann, nachlässig und gleichgiltig als ob er ein ganz andererwäre, aus seinem metamorphosirenden Retiro wieder hervor. VieleVorsichtige hatten nicht nöthig so umständliche Toilette zu machen.Schütte erzählt selbst von sich, er sei am 3l. mit einem Schleppsäbelausgegangen, den Czako auf dem Kopf, aber einen Maschinenhutplattgedrückt auf der Brust; er brauchte nur Säbel und Czako vonsich zu werfen, den Maschinenhut hervorzuziehen und aufzuklappen,und der friedliebende Bürger war fertig.
Die Physiognomie des Stephansplatzes um diese Zeit schildertuns Berthold Auerbach, der sich, auf offener Straße von der Be-schießung überrascht, unt vielen andern unter den Schwibbogen gegen-über dem Riesenthore von St. Stephan geflüchtet hatte. Da warnichts mehr von dem wild bewegten Treiben, das wenige Stundenfrüher um den Thurm getobt hatte; es ging still und kleinlaut her.Auf der „Brandstätte" lagen viele abgelegte Waffen. Ein Studentwinkt einem vorübergehenden Arbeitsmann, sie heben ein Canalgitterauf, versenken ihrer hinein, so viel Platz haben, wie um sie für-bessere Zeiten aufzubewahren, und schließen wieder die Oeffnung.Dann kommen aber Leute aus den Häusern, schreien, das könne siealle in Gefahr bringen, heben das Gitter wieder auf und ziehen dieWaffen heraus. Jetzt entsteht Feuerlärm; in ein Eckhaus auf demPlatze hat eine Brandrakete eingeschlagen; man dringt hinauf um zulöschen, was auch glücklich gelingt. Bald darauf kommt ein TruppBewaffneter dahergezogen; sie schimpfen und drohen den Leuten, diemüssig unter den Hausthoren stehen; ihr Führer schreit in einem fortwie besessen: „Die Ungarn sind da! Sie sind schon auf der Land-straße; die Kaiserlichen sind geschlagen und wollen sich in die Stadtflüchten!" Doch sein Ruf verhallt wirkungslos, keiner rührt sich vonder Stelle. Wieder ist es leer auf dem Platz, über welchen die Sonneden vollen Schein ihres herbstlichen Glanzes ausgießt. Da kommtmitten in der Straße Becher dahergeschlendert, ohne Waffen, dieHände in die Taschen seines rostfarbenen Rockes gesteckt; er gewahrt
Auerbach, winkt ihm zu und geht seines Weges weiter. Man ver-
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