Beschwichtigende Kundmachungen.
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gen, die der Gemeinderath und Messenhauser in später Abendstundedes 30. abgefaßt hatten; selbst einige Exemplare der KundmachungWindischgrätz' hatten ihren Weg in die innere Stadt gefunden. Dochwaren sie bald wieder verschwunden. Man sah einen Arbeiter, einerothe Feder am Hute, von einer Straßenecke zur andern gehen undangesichts der verdutzten Leute, die sich zur Lesung der Anschlägegesammelt hatten, dieselben Herunterreißen und vertilgen. Als sichjemand zu bemerken erlaubte, „es herrsche doch Preßfreiheit, wo jederdrucken dürfe, was er meine", erfolgte die kurze Erwiederung: „DiesePlacate darf niemand lesen". In einem andern Stadttheile ver-suchten einige Burger sich dem Abreißen zu widersetzen; allein gleichwar Gesindel bei der Hand, das mit Gewehren drohend und auf denGemeinderath schimpfend ausrief: „Wir werden zeigen, wer Herr inder Stadt ist!" Ein Haufe von Bewaffneten, angeführt von Leutenin der Legionsuniform, kam in die Staatsdruckerei, nahm alle Vor-räthe der auf die Uebergabe sich beziehenden Kundmachungen wegund drohte das Gebäude anzuzünden, wenn noch ferner solche gedrucktwürden. Der Gemeinderath wie das Ober-Commando ließen es anneuen Mahnungen nicht fehlen. Ein von beiden diesen Behördengemeinschaftlich Unterzeichneter Aufruf forderte dringend zur Nieder-legung der Waffen auf, „Heldenmüthiges Volk von Wien", hieß esdarin, „sei so groß in Deinem Falle, als Du es in der Erhebungwarst. Für die Freiheit leben ist größer, als tollkühn unsere Zweckedurch uns und mit uns vernichten. Wir haben die Ehre gerettet,darum ist nichts verloren." Eine Kundmachung des Generalstabs-ChefsHang setzte der „Nationalgarde der Hauptstadt Wien" die Unver-meidlichkeit der Unterwerfung auseinander: „Seit drei Tagen fehltees an Schießbedarf, der Mangel an Lebensmitteln machte sich immerfühlbarer, die Geschützbedienung ist von Tag zu Tag geringer ge-worden, der Abgang von geübten und geschulten Truppen machte dieEntsendung von Succurs an die bedrohten Punkte unmöglich" rc.Am bezeichnendsten für die geänderte Stimmung des Verfassers undfür die bedenkliche Lage der Stadt war ein Aufruf Fenneberg's „andie mobilen Corps", worin der Mit-Ober-Commandant der WienerVolkswehr unter andern sagte: „Es handelt sich darum, den Bürger-krieg zu verhüten, der uns jetzt gefährlicher ist, als Millionen vonSoldaten und Kanonen um die Mauern Wiens!"
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