Wenn es von der Pariser Schreckensherrschaft gegen Ende desvorigen Jahrhunderts hieß, ein Theil der Nation habe vor denKerkern Wache gehalten, in denen der andere gefangen saß, so ließsich die Bevölkerung Wiens in den beiden letzten Octobertagen 1248in zwei Hälften scheiden, deren eine aus den Drohenden auf derStraße, die andere aus den Zitternden in den Häusern bestand.Vom Montag Abends war es thatsächlich die Hefe des Volks, welche,theils ohne Führer, theils von Officieren geleitet, die, aus demSchoße der bewaffneten Corps selbst hervorgegangen, nicht ihrer Be-sonnenheit und Bildung, sondern allein ihrer „Schneid" und Keckheitihre Beförderung verdankten, über das Schicksal der kaiserlichen Haupt-stadt entschied. Nach einer Nacht voll schreckensvoller Beängstigungzählten ihre Bewohner am Dienstag Morgen mit banger Ungedulddie Stunden, wo sie die Colonnen des Fürsten Windischgrätz alsBefreier würden begrüßen können; allein was mochte sich bis dahinnoch ereignen!
Der Feldmarschall hatte noch in der Nacht zum 81. an Wessen-berg telegraphirt und seine Depesche mit den Worten geschlossen: „dieBesetzung der Stadt wird heute geschehen". Zeitlich morgens wareine neue Botschaft vom Gemcinderathe in Hetzendorf erschienen^"),die den Marschall dringend anging, seine Truppen so bald als mög-lich in die Stadt rücken zu lassen; „die Mehrzahl der Bürger habezwar den besten Willen, stehe aber unter der Schreckensherrschaft derdemokratischen Clnbs und des bewaffneten Proletariats, die gesonnenseien, sich unter dem Schutt der in Flammen ausgehenden Stadt be-graben zu lassen". Der Feldmarschall erklärte sich bereit der Stadteine weitere Frist zu gönnen, binnen welcher er sich zum vollständigenHerrn der Vorstädte machen wolle; er werde aber jede Feindseligkeitauf seine herannahenden Truppen als eine Herausforderung ansehenund mit aller Kraft erwiedern.
In der Stadt waren Dienstag Morgens die Aufrufe angeschla-