386 III. 27. Pöbelherrschaft in der inner» Stadt, 31. Oktober V.-M.
Es konnte vielleicht gelingen, die in der Stadt vorhandenen be-waffneten Haufen zur Vernunft zu bringen; allein es 'kam fortwäh-rend frischer Zündstoff von außen dazu. Nicht ohne Mühe und Ge-fahr war es gelungen, das Burgthor zu sperren, um Zuzüge ansden Vorstädten abzuhalten; doch kaum war das geschehen, so erschie-nen, von Legionären geführt, neue Haufen von Leuten der niedrigstenClassen, schmutzig und verwahrlost, mit allerhand primitiven Waffenbewehrt, die den Einlaß erzwangen. Nicht nur Messenhauser undHang, auch Fenneberg, den sie am gestrigen Tage für den Mannihres Vertrauens erklärt, hatte bei den Mobilen allen Einfluß ver-loren; das übrige Gesindel, und dieses bildete jetzt die Mehrheit,war vollends für vernünftige Zureden taub. Von der Nothenthurm-bastei wurde ans Geschützen und Gewehren fast ohne Unterlaß ansdie Leopoldstadt hinübergefeuert; man pfefferte blindlings und ohneZweck, bloß weil man in den gegenüberstehenden Häusern Militärvermuthete; Madame Perin befand sich mitten unter den kampflusti-gen Schaaren. Fenneberg eilte auf die Basteien, um die Mobilenzur Aufrechthaltung der Kapitulation zu bewegen; doch vergebenswaren seine Mahnungen. Schlimmer ging es deni Interims-Com-mandanten der N.-G.-Artillerie Stößl, der die auf der Mölkerbastei be-findlichen Geschütze zum bürgerlichen Zeughause bringen wollte; er-würbe als „Verräther" und „schwarzgelber Hund" festgenommen undunter zahllosem Nnglimpf durch die Stadt auf die Aula geschleppt,die ihn jedoch, weil er sich mit einem schriftlichen Befehle ausweisenkonnte, sreisprach und aus den Händen seiner Bedränger befreite.Ebenso scheiterten die Versuche, die Leute zur Niederlegnng derWaffen zu bewegen; anstatt die abzugeben, die sie besaßen, suchtensie sich weitere zu verschaffen. Im kaiserlichen Zeughause erschienenArbeiter und Mobile und verlangten die Herausgabe der abgelieferte»Waffen; es war kein Widerstand möglich; nur die Waffenkammer zuebener Erde und im ersten Stock wußte der wachhabende N.-G.-Feld-webel vor wiederholt drohender Plünderung zu retten. Die wildenRotten und ihre exaltirten Führer hausten in den Straßen wie ineiner bezwungenen Stadt. Alle Behörden hatten ihre Functioneneingestellt, Wien befand sich im Zustande vollkommenen Stillstandesder Geschäfte und der Gesetze. Allgemein war die Furcht, das Prole-tariat werde die letzten Stunden, die ihm zu ungebundenem Walten