Schrcckciisiiacht vom 30. zum 31. October.
383
Garden und die Sichcrheitswache zum Schutze des Gemeinderathesund des landständischeu Gebäudes; einige ihm ergebene Compagniender Mobilgarde wurden um die Stallburg zusammengezogen. Alleindas war unzureichend. Messenhauser schien seine letzte Hoffnung aufdas einrückende Militär zu setzen. Noch in derselben Nacht mußtedie letzte Botschaft in's Hauptquartier nach Hetzendorf abgehen; bevordie Abgesandten die Stadt verließen, pflog Messenhauser eine Unter-redung mit ihnen. Auch traf er seine Anstalten derart, daß er sichim äußersten Falle auf eines der beiden Kärntnerthore werfen konnte.Auf alle Fälle war es nothwcndig, sich der Kanonen zu versichern,von denen sich noch immer eine große Zahl auf den Basteien in denHänden des Proletariats befand. Da auf geradem Wege nicht an'sZiel zu gelangen war, nahm man seine Zuflucht zur List. Pferdeund Kutscher wurden dahin gesandt, wo die Geschütze standen, undein Adjutant machte die wichtige Mittheilung, daß man sie an diesemoder jenem Punkte dringend benöthige. An einigen Orten gelangder Streich und die übernommenen Stücke wurden glücklich in's Zeug-haus gebracht; an andern jedoch, wie auf der Rothenthurmbastei,waren die Leute auf keine Weise dahin zu bringen, die Kanonensortführeu zu lassen. Sie witterten „Verrath" und es war keinem zurathen, schärfer in sie zu dringen und es ans eine Probe ankommenzu lassen, ob sie es mit dem „niederschießen" und „aufhängen", wo-mit sie drohten, ernst meinten.
Noch in derselben Nacht suchte Messenhauser einige Führer derGegenpartei in der Specereihandlung des P. Giacomuzzi (Nr. 598im damaligen Schlossergassel) auf, und hatte eine Zusammenkunftmit Fenneberg in Gegenwart Becher's und eines ungarischen Agenten(Varga?) in einem Zimmer des Gasthauses „zum rothen Igel".Man kam überein, daß Messeuhauser Fenneberg „als Vertrauens-mann der mobilen Corps" und Redl „als Vertrauensmann derakademischen Legion" zu seinen Stellvertretern im Ober-Kommandoernennen sollte. Das wurde auch am nächsten Morgen öffentlichkundgemacht.