Vorbereitungen ;nm Einmarsch der t. k. Truppen in Wien. ,-;57
dige Erwerb wieder möglich geworden sein" würde. Viele zeigtensich ganz ergeben. Auch jene, die nicht gleich nachgaben, mochten sichmit der Zeit überreden lassen. Zn fürchten waren sie nur, wo siehaufenweise bei einander waren und wo sich, von Hetzern aufgestachelt,einer vor dem andern scheute Nachgiebigkeit zu zeigen. Das war zu-mal auf den Basteien der Fall, wo einzelne Geschütze noch immer inden Händen des Proletariats waren, das davon nicht lassen wollte.
Um dieser peinlichen Lage der Stadt, welche die ausgesandtenDeputationen ihm oft und eindringlich genug geschildert hatten, einEnde zu machen und den Bemühungen der friedebedürftigen Mehrheitder Bevölkerung zu Hilfe zu kommen, hatte Windischgrätz beschlossen,seine Armee noch an diesem Tage in die Stadt rücken zu lassen. Essollte mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen geschehen, einTheil der Truppen die von den Städtischen besetzten Posten über-nehmen, der größere auf dem Glacis aufgestellt werden, wo unterBeiziehung von Abtheilungen der Nationalgarde eine Feldmesse fin-den als Opfer gefallenen Kriegs-Minister gleichsam den versöhnendenAbschluß der vorausgegangenen Unglückszeit bilden würde. Schonwar General Cordon znm Stadt-Commandanten ernannt, um denEinmarsch zu bewerkstelligen und die Entwaffnung durchznführen.Eine Kundmachung des Oberfeldherrn verhieß allen StadttheilenSchonung, die sich bereit erklären würden, Waffen, Kanonen undMunition abzuliefern, und dieß bis längstens 3 Uhr N.-M. bei demTruppen - Cvmmando an der nächsten Linie anzeigteu; im entgegen-gesetzten Falle würde „nnnachsichtlich" das Bombardement erfolgeil.Es schien sich auch alles friedlich anzulassen. In den Vorstädtendachte niemand an weitern Widerstand. Wo das Militär noch nichteingerückt war, wie bei der Lerchenfelder Linie, hatte es doch dienächst gelegenen Häuser in Besitz und richtete sich da ein. Von derFavoritenlinie aus nahmen die Truppen mehrere verlassene Barricadenin der Haupt- und in den Seitenstraßeil in Beschlag und sandtenSchaarwachen in die Vorstadt Wieden voraus. Es waren nur nochmit dem Gemeinderathe die Maßregeln zur Ausführung der Capitmlation festzusetzcn, und eine Deputation, Etzelt, Kubenik und Winter,hatte sich, von einem N.-G.-Officier, einem Standartenträger undeinem Trompeter begleitet, für diesen Zweck des Morgens auf denWeg nach Hetzendorf gemacht, wo General Cordon unter Beiziehung