Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
337
Einzelbild herunterladen
 

Fall von Essegg.

337

berufen, weil sie ihre Schuldigkeit nicht gethan". Doch auch ihr Ver-langen wurde von der Versannnlnng abgelehnt.

Uebrigens hatte man um diese Zeit in Frankfurt wie in Berlin-^')kaum sichere Nachricht von dem, was am 28. und 29. in Wien vor-gefallen war, und ahnte nicht, daß alles, was am 30. in der Pauls-kirche und am 31. im Schauspielhause des Gensdarmenplatzes verhan-delt wurde, von keinem Einflüsse mehr auf das Schicksal der öster-reichischen Hauptstadt sein könne.

24.

Jenseits der Leitha hatte man so lange ans eine Aufforderungdes Wiener Reichstages oder Gemeinderathes gewartet, die nie kom-men wollte, bis man um jeden Preis losschlagen mußte, wenn mannicht mit dein Vorwürfe abziehen wollte, nach so vielen Vorberei-tungen und so großsprecherischem Lärm nicht das geringste zum Ent-sätze der österreichischen Hauptstadt und zur eigenen Sicherheit gethanzu haben. Denn auch auf den andern Kriegsschauplätzen des Landesdrohten die Dinge eine schlimme Wendung zu nehmen, wenn nichtdurch eine entscheidende That vorwärts der Leitha ein Umschlag her-beigeführt wurde.

Ein einziges Ereigniß von Bedeutung war in den letzten Wochenzu Gunsten der Magyaren ausgefallen. Graf Kasimir Batthyüuyhatte sich gegen Abend des 22. an der Spitze des 41. Honvö-d-Bataillons mit fünf Geschützen Essegg genähert, war auf der Drau-brücke von der deutschen Bevölkerung mit Fackelzug und Eljeurufenempfangen worden und hatte gegen neun Uhr die Festung besetzt,wo alsbald die kaiserliche Fahne durch die ungarische Tricolore ab-gelöst wurde. Etwa eine Stunde später rückte Major Corik mit400 Warasdinern und drei Geschützen in die untere Stadt ein, vonden Kaiserlichgesinnten mit Jubel begrüßt. Alle, die mau der natio-nalen Sache feindlich wußte, wurden entwaffnet, Wachposten gegendie obere Stadt ausgestellt. Am 24. kam es zu gegenseitigem Schießen.

22