ZZ4 III. 23. Das Schicksal Wiens und die mitteleuropäische Revolution.
unten" sagten sie trotzig. Als man sie zuletzt doch sortzuschaffenwußte, drohten sie: „Wir gehen, aber wir kommen wieder mit meh-reren Tausend, und dann wollen wir sehen, ob man uns die Thüreweist". Von den Anführern der Burgerwehr hatten einige den bestenSillen; allein sie konnten bei dem unzuverläßlichen Geist ihrerMannschaft nichts ausrichten. Die Officiere ließen trommeln undSturm blasen, doch niemand folgte dem Nnfe^). Der CommandantRimpler wollte die Reservebataillone herbeiziehen. Doch eine Ordon-nanz zu schicken war nicht zu wageu; man mußte zu einer Listgreifen. Unter dem Vorwände, Trinkwasser für die Redner im Saalezu holen, erwirkte sich einer der Aufwärter der Versammlung Aus-gang aus dem Gebäude und überbrachte so den Befehl Nimpler's anseine Adresse. Auf dem Platze ging es immer toller zu. Eine Rotteaus der untersten Volksclasse, viele betrunken, drängte sich in dieNähe des Gebäudes, um es in Brand zu stecken; mit Mühe gelanges sie abzuwehren und mehr als einmal erneuerten sie den Versuch.
Es war gegen zehn Uhr, als nach geschlossener Debatte, unbeirrtdurch das wilde Getöse das von außen fortwährend in den Sitzungs-saal drang, die Abstimmung vor sich ging. Der Antrag Waldeck'sfiel niit großer Mehrheit (229 gegen 113), der Duncker's mit gerin-gerer (181 gegen 164); zuletzt wurde der von Rodbertus von derganzen Versammlung mit Ausnahme der äußersten Rechten (261gegen 52) angenommen. Als das Ergebnis der Menge unten bekanntgegeben wurde, hieß es: „Wie? An die Reichs-Polizei wendet IhrEuch?" -Die Bürgerwehr schien endlich mit Herstellung der OrdnungErnst machen zu wollen, der Haufe wich etwas zurück; da aber derbefürchtete Angriff nicht erfolgte, drang das Volk neuerdings vor.Das wiederholte sich mehreremal. Plötzlich siel ein Schuß aus einerPistole, an einer entfernteren Stelle. Im ersten Schrecken stob dieMenge auseinander, und die Maschinenbauer mit ihrer Weißen Fahnedrängten sich, in den leer gewordenen Raum. Sie waren unbewaffnetund schienen keine andere Absicht zu haben, als einen Zusammenstoßzwischen Bürgerwehr und Volk zu verhindern; nun aber traf derAnprall gerade sie. Die Bürgerwehr drang vor, dem Bannerträgerder Maschinenbauer wurde ein Finger abgehauen, einer fiel durcheinen Degenstich, mehrere wurden verwundet. Nun setzten auch siesich zur Wehre, entwanden ihren Angreifern Bajonnete und Säbel.