Bedrohung der preußischen Ncttionalrersammliing, 31. L'ctoLer. ZZZ
des deutschen Reichsfeindes seien es, von denen Wien bedrängt werde."Duncker (Centrum) schlug in ähnlichem Sinne wie Rodbertus eineBeschickung der Frankfurter Reichsversammlung vor, damit diese dahinwirke, „daß nicht in Folge der neuesten Wiener Ereignisse die Frei-heit und Nationalität eines Brnderstammes gefährdet werden".
Während sich die Verhandlungen im Sitzungssaals einförmig ab-spannen'^), ging es außerhalb desselben um so lebendiger undwechselvoller her. Die Menge geberdete sich von Stunde zu Stundeunbändiger und wilder. Die Bürgerwehr, die anfangs ernstlichenWiderstand nicht entgegensetzen wollte und bald nicht mehr konnte,war allmälig ganz in das Innere des Schauspielhauses zurückgedrängt,dessen Ausgänge dichte Massen besetzt hielten. Einige hatten sichFackeln zu erbeuten gewußt, in deren unruhig flackerndem Schein dierothen Clubfahnen geschwenkt wurden. „Wir müssen einen Kreuzzuggegen Wien unternehmen", rief ein Arbeiter und die Menge schrieihm Beifall zu. Abends 9 Uhr war die Versammlung und dieBürgerwehr mit ihr förmlich gefangen, die Thüren waren umlagertund verrammelt, stellenweise von außen vernagelt; die Masse erklärte,die Abgeordneten nicht heranszulassen, bis der Antrag Waldeck'sangenommen sei. „D'Ester hat uns herbestellt", riefen einige, „dievon der Rechten müssen baumeln!" Andere mochten sich mit so feinerUnterscheidung nicht abgeben; „ei was, Rechte oder Linke; hier heißteS mitgefangen mitgehangen!" Augenzeugen versichern, in denHänden mehrerer Leute Stricke gesehen zu haben; Bursche, wieStraßenräuber aussehend, gingen von Thür zu Thür und gabenUnterricht sie zu befestigen und Schlingen zu machen. Ein Bummlerhob, als vom Aufhängen die Rede war, eine lange Waschleine empor,welcher glückliche Einfall mit unendlichem Jubelgeschrei begrüßt wurde.Andere riethen, kurze Messer und Handbeile mitznbringen, „mankönne damit seinen Mann besser *aus dem Gedränge herausfinden".Redner erhoben sich; ihre Worte, von dem johlenden Zuruf desHaufens begleitet, übertönten oft die Vorträge im Sitzungssaals. „Esmüsse namentliche Abstimmung stattfinden", verlangten sie, „damitdas Volk seine Feinde kennen lerne." Als sich die Verhandlung indie Länge zog, riefen einige, man solle das Gebäude stürmen. Wirk-lich drangen mehrere mit Gewalt in das Innere und wollten ohneweiters in den Sitzungssaal; „wir können drin so gut sein wie