ZZ2 III. 23. Das Schicksal Wiens und die mitteleuropäische Revolution.
man in der Abendsitzung darüber berathell werde. Rllge, der „Lin-demnüller", der alte Karbe gaben sich von der Treppe des Schau-spielhauses herab vergebliche Mühe das Volk zum Auseinandergehenzu bewegen; „hier bleiben, hier bleiben!".rief man aus der Menge,„wir wollen hier die Entscheidung abwarten!"
Doch ging die Vvrmittagssitznng ohne Storung zu Ende. Alsaber gegen fünf Uhr die Abendsitzung beginnen sollte, war der Platzum das Schauspielhaus schon so dicht angefüllt, daß kaum eineschmale Gasse für die sich einfindenden Abgeordneten offen blieb.Präsident von Unruh ließ Anzeige bei der Stadtbehörde machen undum Aufbietung einiger Abtheilungen Bürgerwehr ersuchen; indessenwar letztere Maßregel schon von anderer Seite verfügt worden- ZweiBataillone besetzteil das Schauspielhaus; drei andere wurden in derNähe zusammengezogen; später wurden noch drei oder vier Bataillonealarmirt. Im Cafo de Bavisre, im Clubhause der Leipzigerstraße,bei Waßinann saßen die Permanenz des Congresses der Linken unddie Führer der demokratischen Vereine, um die Entwicklung der Dingeabzuwarten; Boten zwischen ihnen und den Meinungsgenossen amGensdarmenplatze und im Schauspielhanse gingen ab und zu. NachEröffnung der Sitzung begründete zuerst Waldeck seinen Antrag, demvon den Bänken der Linken und von den überfüllten Znschauerräu-men reichlicher Beifall gespendet wurde. Die Besonneren in der Ver-sammlung mußten erkennen, daß es ihnen unmöglich sein würde, denAntrag Wakdeck's zu beseitigen, wenn sie nicht ein annehmbaresAusknnftsmittel an dessen Stelle setzten. Darum schlug Nodbertus(linkes Centrum) vor, „die Negierung Sr. Majestät anfzufordern, beider deutschen Centralgewalt' schleunige und energische Schritte zuthiln, damit die in den deutschen Ländern Oesterreichs gefährdeteVolksfreiheit und der bedrohte Fortbestand des Wiener Reichstagesmit Erfolg in Schutz genommen werde". „Er glaube", fügte er zurBegründung seines Antrages bei, „der Kaiser von Oesterreich wissenichts von der Beschießung seiner Hauptstadt; er könne sich nichtdenken, daß ein deutscher Fürst ein zweiter Nero sei; Wien brenne,das sei genug." Berg (linkes Centrunr) sprach in gleichem Sinne:,,Nicht vom deutschen Kaiser seien die Truppen nach Wien gesandt,sondern von einem fremden Fürsten, der sich an die Spitze der nicht-deutschen Völker gesetzt; nicht deutsche Truppen, sondern Truppen