326 m. 23. Das Schicksal Wiens und die mitteleuropäische Revolution.
es iin tessiner Gebiete wieder von mehr als 4000 Flüchtlingen, diesich aber binnen vierzehn Tagen auf 2619 verminderten.
Nicht minder unruhig ging es im Venetianischen her. In Vi-cenza führte ein meuchlerischer Angriff gegen eine Schildwache dieaugenblickliche Niederschießung des Thäters herbei, 17. October; dasMilitär errichtete auf Maria del Monte einen Galgen, und jedeSchilderhebuug unterblieb. In Verona wurde den Patrouillen „vivuI'1ta1iÄ) moi'to all ^.ustuia" nachgernfen; die Hoffnung auf einenneuen Losbruch steigerte die Keckheit der Unruhestifter. Insgeheimwurde eine große Anzahl österreichischer Militüruniformeu mit blauenund orangegelben Aufschlägen allgefertigt, in deren täuschendem An-zug sich eine verwegene Rotte des Forts San Pietro bemächtigenwollte; die Behörden kamen aber zur rechten Zeit dahinter unddie Rädelsführer wurden festgeuommen. Auch in Udine gab esVerhaftungen. In Bassauo wurde am 22. ein Angriff auf die Haupt-wache versucht, der keine weitere Folgen hatte. In Padua gebot derunwirsche Weiden, der die „Jstruzioui" Mazzini's durch eine An-sprache an die „Soldaten der italienischen Armee", vom 17. October,beantwortete. „Ihr kennt jetzt daS Schicksal", sagte er, „das dieVerräther Euch zu bereiten gedenken; Ihr werdet Euch darnach zurichten wissen. Bisher haben die militärische Zucht und die Liebezur Ordnung, die uns stets beseelt, keine Ausschreitung oder willkür-liche Beleidigung gestattet: wenn von nun an derartiges vorfiele, wenträfe die Schuld davon? Nicht wir sind es, die diesen Kampf biszum letzten Blutstropfen hervorgcrufen haben, aber wir nehmen ihnauf!" Es fehlte in der weitläufigen Stadt mit ihren öden Straßenund den dunkeln Laubgängen nicht an täglich wiederkehreuden An-lässen zu Reibungen zwischen Militär und Volk. Zur Nachtzeit wur-den Placate angeklebt oder allerhand Sinnsprüche an die Mauerngeschrieben: „Morts all' ^ustriaso Oaniposaopisro!" „Olli por-
torü In tssta cki llaclosll/, avrü Huoilu cli ^Vslcion." „IVsIäsn parti,o ti taiomo in quarti!" Bald war es die rothe Mütze eines Land-manns, bald die dreifarbige Waare eines zuckerbackendeu Jtalianissimo,die zu Verhaftungen oder blutigen Schlägereien führten, die mehrals einen Todesfall zur Folge hatten.
Das republikanisirte Venedig hielt F.-M.-L. Stürmer von Tre-viso aus im Auge; die Stadt war von der Terraferma bis an dis