322 HI- 23. Das Schicksal Wiens und die mitteleuropäische Revolution.
Herrn ohne Talent, siegreich nur darum, weil wir ihm den Siegdurch Unerfahrenheit (uni nicht ärgeres zu sagen) unserer Anführerentgegengetragen haben! Wir sehen Ungarn auf dem Punkt sich los-zureißen, die früheren Provinzen in vom Reiche losgelöste Staatenverwandelt. Was ist noch Oesterreich? Wo ist es?"
In Turin nahmen am l6. October die piemontesischen Kammernihre seit t. August unterbrochenen Sitzungen wieder auf. Danebentagte der Nationalcongreß weiter, in welchem am 17. Sterbini vor-schlug, die Minister der italienischen Fürsten, die ihren Souverainennicht zur Erklärung des Unabhängigkeitskrieges riethen, für Verrätherdes Vaterlandes zu erklären; der Antrag wurde jedoch verworfen.In der Abgeordnetenkammer hatte das Ministerium einen hartenStand. Am 19. hielt Pinelli einen längern Vortrag über die Lageder Dinge: „Das Ministerium erkenne den mit Radecky eingegange-nen Waffenstillstand als militärisches Ereignis an, nicht als politischeThatsache; das Ministerium habe die englisch-französische Vermitt-lung angenommen, Brüssel und Innsbruck seien als Orte der Zu-sammenkunft vorgeschlagen, man warte nur auf die ZustimmungOesterreichs; das Ministerium kenne keinen Frieden, der nicht dieAnerkennung der italienischen Unabhängigkeit und des oberitalienischenKönigreichs gewährleiste; das Ministerium könne aber nicht für un-mittelbare Wiederaufnahme des Krieges sein, es brauche Zeit, demHeere seine physische und moralische Stärke wiederzugebeu und demerschöpften Staatsschatz aufzuhelfen." Theils mit tiefem Schweigen,tHeils mit bedenklichen Zeichen von Unruhe wurde die Auseinander-setzung Pinelli's hingenommen; aber laute Bravos unterbrachen wieder-holt die Rede Bnffa's, der sich für den unverweilten Wiederbeginnder Feindseligkeiten erhitzte. „Oesterreich habe offenbar in die Ver-mittlung nur gewilligt, um Zeit zu gewinnen und sich in den wieder-eroberten Provinzen festznsetzen. Wenn man mehr als zwei Monateverloren habe, um nur den Ort der Zusammenkunft vorzuschlagen,wie viel Zeit werde man zu den Verhandlungen selbst brauchen?WaS erwarte man von Frankreich? Die Franzosen seien eine edlefreiheitsbegeisterle Nation; sie werden sich nur für ein Volk begeistern,das Proben seiner Entschlossenheit und Tapferkeit ablege. Als Ledru-Rollin jüngst Italien genannt, habe ihm die französische Kammerin's Gesicht gelacht und mit Recht! Der Krieg sei nothwendig, er