Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
305
Einzelbild herunterladen
 

Unruhen in Grätz.

305

Mir durch ihr eigenes Benehmen die Möglichkeit dazu böteu undzeigten, daß es ihnen Ernst mit der Befolgung der gesetzlichen Ord-nung sei." Vom Erzherzog Franz Karl erhielten sie eine ähnlicheAntwort und kehrten nach mehreren fruchtlosen Versuchen, daß ihnenWessenberg einen schriftlichen Bescheid des Kaisers verschaffe, unver-richteter Dinge nach Prag zurück.

Nicht an allen Orten der westlichen Krouländer lief es mit derversuchten Verwendung für die Sache Wiens so ruhig ab. In Grätzwar zwar auf die aufregenden Tage vom 7. bis l2. October eineArt Abspannung gefolgt; der demokratische Verein hatte seine Sitzungen ,

eingestellt und beim Gouverneur förmliche Abbitte geleistet, indem erdie gegen dessen Person damals gerichteten Angriffe und Schmähungenals nur von einzelnen Mitgliedern ausgegangen darstellte. Alleinje näher vor Wien die Entscheidung heranrückte, desto sichtlicher be- ?

gann es von neuem zu gähren. In volksthümlichem Tone gehalteneFlugschriften erschienen, die zu einem nochmaligen Versuche des Land-sturms aufforderten; das ganze Gebiet wäre, wie in Tyrol und inder Schweiz, in Land-Compagnien zu theilen; jede Compagnie, be-stehend aus einer Abtheilung Schützen und einer von Sensenmän-nern, solle sich ihren Hauptmann selbst wählen; in die größerenStädte seien Kanonen zu schaffen, für deren Dienst sich die National-garde einzuüben habe re.'^). Am 27. traten der deutsche und derconstitutionelle Verein zusammen und beriefen eine Volksversamm-lung in den Redvuten-Saal, um über eine Adresse au den Kaiser zuberathen. Aber der Haufe zeigte sich mit der bloßen Absendungeiner Adresse nicht zufrieden; man verlangte eine Verwahrung gegendie von Windischgrätz der Stadt Wien gestellten Unterwerfnngs-bedingungen, Aufbietung des Landsturms. Bewaffnete Deputationeilzogen nach der Burg, wo aber eine halbe Compagnie Pioniere ihnenmit der Drohung Gewalt anzuwenden den Eintritt versagte. GegenAbend gab es neue Zusammenrottungen in und außerhalb der Reit-schule, wo zuletzt die Adresse doch augenommen und unterzeichnetwurde. Zwei Tage später richtete auch der provisorische Landesaus-schuß eine Adresse au den Kaiser, deren Schlußbitte sich jedoch daraufbeschränkte, das Gnadenrecht des Monarchen anzufleheu:Das

schöne Vorrecht der Fürsten, Verzeihung, töne aus Ihrem Munde!

Reichen Sie die Palme des Friedens Ihren irregeführten Unter-

20