294 II- -1- Unbedingte Unterwerfung Wiens 20 — 30. October.
bedrohlichere Haltung au. Allein die Besatzung der Burg, Bürger-Grenadiere, Künstler-Corps und Mnnicipalgarde, hielt mit aufgepflanz-tcm Bajonnet alle Eingänge stark besetzt; eine Abtheilnng berittenerSicherheitswache ritt aus dem Michaelerplatz auf, bis sich allmäligdie Masse, Verwünschungen gegen die Schwarzgelben ansstoßcnd,wieder verlief Ans den Borstädten waren bereits an dreißig Kano-nen eingebracht, welche die Nacht über am Hof standen, um andernTages in die Artillericcaserne am Nennweg abgeführt zu werden.Es hatten zwar Einige besorgt gerathen, sie lieber noch am Abendans der Stadt zu schaffen, da man nicht voranssehen könne, ob dieStimmung nicht Umschlägen werde. Indessen geschah nichts; die ge-schilderten örtlichen Ausschreitungen abgerechnet, wobei es überdießmehr Unruhe und Lärm als wirkliche Gefahr gab, verlief die Nacht ruhig.
Die Deputation in das kaiserliche Hauptquartier — Brodhuber,Hütter, Winter, Schaumburg, Naessel, Weißenberger; N»n Studenten-ausschüsse Carl Friedmann — hatte ihre Reise erst um lO UhrAbends antreteu können. Es war kein beneidenswerther Weg, denman vor sich hatte. Im Bereiche der Stadt, auf dem Michaelerplatz,am Kohlmarkt, in der Herrengasse hatten sich Rotten gesammelt,die laut erklärten, das Abgehen der Deputaten nach Hetzendorf zuhindern. Die Deputirten nahmen ihre Richtung über die Freiung durchdas Schottenthor gegen die neue Wieden und Margarethen. In derVorstadt Hundsthurm angekommen, hemmte ihren Weg eine klnfterhoheBarricade, doch ohne Vertheidiger. Der Ortsrichter wurde herbeige-holt, um das Hinderniß so weit wegräumen zu lassen, daß sie pnssi-ren konnten; unterdessen mußte ihr Trompeter unaufhörlich blasen,damit die Truppen, welche die Linie und ihre ganze Umgebung be-setzt hatten, ihren berittenen Aufzug ja nicht für einen Ausfall hiel-ten. In den Bereich der kaiserlichen Vorposten gelangt, war ihreLage keine behaglichere als in der aufgeregten Stadt, und daß dieTruppen durch ihr Trompetengeschmetter aus dem Schlafe gewecktwurden, trug noch weniger zu einem freundlichen Empfange der Par-lamentäre bei. Wie früher Wien im allgemeinen, so galt jetzt demSoldaten die innere Stadt als der Pfuhl aller Vermessenheit undVerruchtheit, und die Parlamentäre, die von dort kamen, waren ihnenwie Ausgeburten jener Stätte verbrecherischen Sinnens und Trei-