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II. 20. Verhandlungen wegen Ucbcrgabe der Stadt 28—29.
Nachmittagstunden rückte das Militär ein, Jäger besetzten das Brünnel-bad, wo sie arg hausten. Von der benachbarten Lerchenfelder Liniekrachte es in den Vormittagstunden fast unaufhörlich; gegen Mittagwaren die Wälle verlassen, alle Bewaffneten von den Straßen ver-schwunden. In der Josephstadt wurden Waffen in Masse abgeliefert.Auch von den Barricaden nächst der Favoritenlinie fielen VormittagsSchüsse gegen das Militär, bis General Sanchez eine CompagnieStephaner bei der Belvederelinie einrücken und durch die Ferdinands-gasse den Aufständischen in den Rücken kommen ließ, worauf diese,ohne weiter einen Schuß zu thun, ihren Standpunkt aufgaben undsich nach allen Richtungen verliefen. Die kaiserlichen Truppenrückten in der Vorstadt Wieden bis zum Gasthause ,,zur Stadt Karls-bad" vor; die Entwaffnung wurde eingeleitet, binnen wenig Stundenwaren bei 800 Gewehre abgeliefert.
Nur zwischen der Nordostseite der inuern Stadt und der Leopold-stadt war der Verkehr vollständig abgeschnitteu. Die Ferdinands-brücke war am linken Ufer des Canals vom Militär, der Kettenstegauf der Stadtseite von den Aufständischen verrammelt. Die Noth-brücke brannte fast den ganzen Tag noch fort, zischend stürzten dieglimmenden Balken in den Fluß, während der Rauch, vom HellenSonnenschein beglünzt, in wirbelnden Säulen hoch emporstieg; amAbend ragte nur hie und da ein schwarz verkohlter, noch dampfenderStumpf gespensterhaft über dem Wasserspiegel empor. Von derFranzensbrücke war das Holzwerk abgeränmt, zum Theil verbrannt.
In der Leopoldstadt hatte F.-M.-L. Ramberg den Windischgrätzi-schen Belagerungszustand bereits zur Wahrheit gemacht, sämmtlicheBezirksobrigkeiten der obersten Militär-Behörde in allem und jedemuntergeordnet, strengste Ablieferung aller Waffen und Munition,„gleichviel ob Privat-Eigenthum oder nicht", anbefohlen, auf die Ver-heimlichung derselben Standrecht gesetzt. Die Brigaden Gramontund Frank waren bereits abgezogen. Drei Compagnien Fürstenwärtherlagerten auf dem Carmeliterplatz, das Bataillon Schönhals sammeltesich vor dem Karltheater. Längs dem Ufer des Donau-Canals durfteniemand Passiren, aufgestellte Militärpvsten wiesen jeden barsch zurück.Die Straßen lagen öd; einzelne Bürger in Gehrock und Cylindergingen bescheiden einher, sich die Stätten der stattgefnndenen Kämpfeanzusehen. Die Jägerzeile sah furchtbar ans, kein Haus, das nichtseine Wundmale hatte, kein Fenster, das ganz geblieben; zwischen