Letzter Storni und Sieg.
259
öffnete Hinterthür und erreichten über die halb in Flammen stehendeSchlagbrücke glücklich das andere Ufer.
Auf den Stufen der Johanneskirche ließ sich ermüdet und erschöpftGeneral Frank nieder und gönnte sich eine Weile Ruhe. Gegen 6 Uhrstanden seine Soldaten bereits bei dem vom Feuer verschont gebliebe-nen neue» Karltheatcr; zwischen 6 und 7 befand sich die Leopold-stadt in ganzer Ausdehnung in den Handelt der Truppen. Namberghatte seine Aufgabe auf das rühmlichste gelöst. Er mochte jetzt getrostdie ihm abverlangten Brigaden dem Banns znrückschicken; im Besitzealler Uebcrgänge über den Donau-Canal und aller beherrschendenGebäude an demselben reichten seine übrigen Truppen, etwa 5,000 Mann,vollkommen aus das gewonnene zu behaupten. Ramberg ließ denEingang der Ferdinandsbrücke verrammeln, eine Schnlterwehr anf-werfen und Zwölspfünder dahinter anfführen. Beim KaffeehausWeibhappel, hinter den, Gasthause „zum goldenen Lamm ff wo sichMajor Schneider und eine große Anzahl Officiere einquartirten,standen Geschütze. Alle der innern Stadt gegenüberliegenden Häuserlängs des Donau-Canals wurden mit Jägern und Mazzucchelli-Grenadieren besetzt, die Fenster bis zu einem Drittel ihrer Höhe durchhinaufgetragene Steine verbarricadirt, nur kleine Lucken als Schuß-scharten offen gelassen. Die Vorsicht war keine ungegründete. Dennvon der Rothenthurm- und Biberbastei gab es fast unausgesetztesGeplänkel über den Canal hinüber. „Die schwarzgelben Hunde inder Leopoldstadt muß man vertilgen", sagten die bewaffneten Hau-fen, die ohne Officiere sich selbst überlassen waren, und sie schienendie „Hunde" buchstäblich zu nehmen; denn als sich am Metzler'schenKaffeehaus ein verlaufener Pudel zeigte, wurde von den Basteienauf ihn aus wenigstens sechzig Gewehren losgepfeffert.
Der Anblick, den Wien in der Nacht vom 28. zum 29. bot, warvon einer fürchterlichen Pracht. Von einem niederen Standpunktegesehen zeigte bei Tag der sonnenhelle Himmel hin und wieder trüberePunkte, die man für leichte Wölkchen halten konnte, bis bei einbrechender Dämmerung diese Stellen immer lichter wurden und end-lich die Hellen Flammen deutlich wahrzunehmen waren und der Wider-schein hervortrat, der die Luftschichte ober ihnen in alle Abstufungenfeuriger Gluth, vom düstern Gelbroth bis in die dunkle Nöthe des