208 II. 19. Eiiuiahmc der Lcmdstrnsie »nd Lcopoldstadt, 28. Octobcr.
standen Abtheilnngen vvn Schvnhals ans dein Kanneliterplatz; zweiBürger begaben sich mit einer schnell improvisirten weißen Fahne zuihnen und übergaben das Gemeindehaus, wo jetzt das Friedensban-ner aufgesteckt wurde. Auch das Strafhaus wurde vom Militär be-setzt; die dort befindlichen bewaffneten Garden mußten sich als Ge-fangene abführen lassen. All das ereignete sich zwischen 5 und 0 Uhr-Abends.
Endlich befahl Ramberg den Hanptsturm in der Praterstraße.Grenadiere von Schönhals, Deutschmeister und Mazzucchelli, dannSchönhals-Infanterie, die heute schon so vieles geleistet, wurden vor-wärts geschickt. Seinen Soldaten immer voran, von einer Kugelin die Brust getroffen, fiel Hauptmann Brandmaher von Deutsch-meistern, derselbe, der am unheilvollen 6. October den Befehl aufder Hauptwache im Hofkriegsrathsgebäude gehabt: mau sagt, er habeden Tod gesucht. An seiner Leiche vorüber stürmt alles vorwärts.Sechs Grenadiere, Oberlieutenant Paar an der Spitze, ersteigen dieBarricade, in deren Rücken sich Benigni mit seinen Ceccopieri bereitsfestgesetzt hat; die zur Vertheidigung der Ceruingasse ausgestellten Ge-schütze der Aufständischen haben gegen die vordringenden Gränzerschon lauge ihren Standort verlassen. Unter diesen Umständen kanndie Vertheidigung der Johannes-Barrikade nicht lange währen. Ausallen Oeffnungen der Häuser, aus Fenstern, Dachlucken, Kellerlöchernsprüht ein furchtbares Feuer gegen die Stürmenden; doch bald darauferfüllen verworrenes Geschrei, Flüche und Verwünschungen der Flie-henden die Lust, die sich durch die vom Militär noch freie Ferdiuands-straße und obere Fnhrmannsgasse zu retten suchen. Mit Mühe brachteHauck einige Geschütze auf's andere Ufer, die übrigen fielen denTruppen in die Hände. Bem, von einem Prellschuß getroffen, setztesich umnittelbar nach Einnahme der Barrikade zu Pferde und ritt,alles verloren sehend, znm Weißhappel'schen Kaffeehaus , wo ihnein zweiter Streifschuß traf, worauf er über die Ferdinandsbrücks indie innere Stadt eilte und im Hvfkricgsrathsgebände abstieg. DieFlucht war jetzt allgemein; die Ferdinandsbrücke trug ein buntes Ge-wimmel. Die Truppen nahmen rasch von dem gewonnenen GebieteBesitz. Anderthalb hundert Fünfhauser Arbeiter wurden in einemHause der Jägerzeile abgeschnitten und theils niedergemacht theilsgefangen; nur 37 entkamen durch eine vom Hausmeister ihnen ge-