Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
267
Einzelbild herunterladen
 

Forlschritte der Truppen deiderscile- der Pruterslrußc

267

mit der Schnelligkeit einer Katze wußten diese Natursöhne heranzu-spriugen und sich anznschmiegen. Dabei zeigten sie eine Kampfeslustohne gleichen. Als der Hauptmanu einer Compagnie mit dem Sturmgegen eine Varricade warten wollte, bis erst einige Häuser, ausdenen sie bestrichen werden konnte, besetzt wären, riefen seine Sol-daten:Vorwärts, vorwärts, in des Himmels Namen, Herr!" (Tmmchtoi-ug, 2 <ti-uvo, Aos^oiliuo), und so ging es ohne weiters los. Auder Spitze einer Abtheilung Ceccopicri drang Hauptmanu Benigui inden Garten eines im Rücken der Johannes-Barricade gelegenenHauses, kletterte auf einer Garteuleiter an ein Hoffenster des erstenStockwerks, dessen verschlossene Flügel er mit kräftigem Hiebe ein-schlug, schwang sich hinauf und hindurch, machte, von einigen seinerLeute gefolgt, die im Hause befindlichen Schützen gefangen und be-setzte die in die Praterstraße führenden Fenster, aus denen er dieAufständischen auf der Straße und in den benachbarten Gebäudenbeschoß.

Jenseits der gegenüberliegenden Seite der Praterstraße fing dasOdeon Feuer, sei es von den Schützen Schneider's oder von den sichzurückziehenden Mobilen angezündet; der Brand, genährt durch mehrerehundert Strohbündel, die der letzten Besatzung des ungeheuren Baueszur Lagerstätte gedient hatten, griff mit rasender Schnelligkeit umsich'^), während die Truppen von Haus zu Haus mehr gegen dierothe Sterngasse vordrangen und so auch von dieser Seite derJohannes-Barricade in die Flanke kamen. In den Reihen der Ver-teidiger begann Muthlosigkeit einzureißen. Schon nach 4 Uhr sahman einzelne bewaffnete Schaaren über die Ferdinands-Brücke nachder innern Stadt ziehen. Gegen 5 Uhr setzte sich Bem in seinWägelchen, das er nächst der Johanneskirche in der Sterngasse stehenhatte, und fuhr gegen die neue (Augarten-) Brücke, die eben einArtillerie-Officier in Brand stecken wollte. Bem verwehrte ihm dasund befahl Barricaden zu bauen. Er fuhr dann gegen die Leopold-siädter Reiter-Caserne und kam wieder zur Kirchen-Barricade zurück.Im Gemeindehaus der Leopoldstadt suchten mehrere Bürger, die ihreWaffen bereits abgelegt hatten, viele andere zu bewegen, das gleichezn thun. Die Mobilen wehrten sich, beschimpften und bedrohten dieBürger und zogen sich zuletzt durch die große Schiff- und Anker-straße über den Kettensteg gegen die innere Stadt zurück. Schon