254 II. 18 . Allgciiiciucr Angriff nm 28. Octobcr.
leicht hatten sie es mir darauf abgesehen. Andere wurden ergriffen,als sie ohne weiteres Hand an's Werk legten; vor den Bezirks-Chefgebracht, wiesen sie einen schriftlichen Auftrag des Studenten - Aus-schusses vor, worauf aber jener erklärte, daß er von dort her keineBefehle annehme. Das Gestirn der Aula war im Erbleichen. EineGefahr anderer Art drohte der Leopoldstadt Die Insassen des Zucht-hauses geberdeten sich wie toll, schrien und heulten, daß man es inden Gassen herum horte, wo sich Gesindel aller Art mit verdächtigenMienen ansammeltc. Die Gefangenen schienen auf den Beistandihrer Gesinnungsgenossen draußen zu rechnen; sie verlangten hinausin den Kampf, wo sie ihre „Cameraden" unter Waffen wußten; siestießen die fürchterlichsten Flüche aus, rüttelten an den Fenstergittern,schlugen mit Fäusten und Fußtritten gegen die eisenbeschlagenenThüren- Erst die Drohung des energischen Posten-Kommandanten,den ersten besten herausgreifen und vom Fleck weg erschießen zulassen, stellte allmäiig die Ruhe wieder her.
Die von den Schauplätzen des Kampfes und der Bewegung ent-legenen Stadtheile waren den größten Theil des Tages hindurch wieansgestorben. Nachdem gegen Mittag die Nebel gewichen, lag derherrlichste Sonnenschein ans den verödeten Straßen und Plätzen. DieKaufläden waren geschlossen. Nur zeitweise zeigte sich eine scheueGestalt, um schnell wieder in einem Hanse oder in einer Seitenstraßezu verschwinden; oder es erschienen Dienstmädchen im Hausthor,durch Neugierde getrieben oder von ihrer Herrschaft geschickt, umNachrichten einznholen, wie es draußen stehe. Im Innern der Häu-ser ging es ebenso still zu, obgleich sich keiner ruhig halten konnte.Alan verlangte nach Mittheilnng und war doch nicht dafür empfäng-lich. Hausbewohner, die sich jahrelang nm einander nicht gekümmert,kamen zusammen, sprachen miteinander, die Stimme schallte, aberman horte sich nicht. „Es war in der Stadt", beschreibt Auerbach,„wie in einer stillen Hellen Mondnacht, da alles schläft und der sanfteGlanz vom Himmel sich ungestört über die Häuser und Straßenbreitet; die Menschen schliefen aber nicht, ihr Herz pochte krampfhafthinter den Mauern."
Vom Observatorium des Stephansthnrms bot sich dem Beschauerein furchtbar schönes Bild. Bon der herrlichen Octobersonne be-leuchtet, erschien das ungeheure Hüusermeer der Stadt wie von einem