Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
227
Einzelbild herunterladen
 

Zlmehmcnde Entmuthigiing in der Stadt.

227

dern Spitäler der Leopoldstadt wurden zwischen 70 und 80 Opferdes heutigen Tages gebracht. In allen Krankenhäusern befand sichseit Tagen eine Anzahl Leichen, die man bei den fortwährendenKämpfen nicht vor die Linien hatte schaffen können; jetzt waren dieFriedhöfe vollends in der Gewalt des Militärs und der Gemeinde-rath mußte das Brünnelseld als zeitweiligen Bestattungsplatz bestim-men. Zu den Verlusten an Leib und Leben kamen die Schrecknisseder zunehmenden Schadenfeuer. Noch waren die Brände vom vorigenTage nicht gelöscht, und schon brachen neue aus. Gegen Mittagzeigten sich in der Nähe der Sophienbrücke die ersten Flammen, denendie am rechten Canal-Ufer befindlichen Holzlegestätten reiche Nahrungboten; bald stieg in dieser Gegend eine Rauchsäule nach der andernauf. Die innere Stadt blieb von den Geschossen fast unerreicht; dochschon auf das Glacis kamen einzelne Kugeln geflogen, und deutlichsah man von den Basteien die wühlenden Feuerwaffen in den Vor-städten, hörte den Kanonendonner in der Ferne, ja selbst den Flugeinzelner ihr Ziel überschießender Kugeln. In den heftigsten Flü-chen, Verwünschungen, Drohworten gegen dieKroaten", gegenWindischgrätz undJellacek", gegen den Kaiser und die Dynastiemachte sich die Aufregung der Menge Luft, als ob jene es wären, dieden unseligen Kampf heraufbeschworen Einige erfaßte unsinnigeWuth; demKaiser Franz" müsse der Kopf abgesägt werden, hörteman laut auf der Gasse sprechen.Sind das die Instructionen, dieder Kaiser dem Windischgrätz ertheilt hat?" meinte jemand höhnisch.Die Liebe zur Dynastie wird uns nicht bloß aus dem Herzen gerissen,sie wird uns aus dem Herzen gebrannt", sagte ein Anderer. Der gut-müthigere Theil der gemeinen Elasten, vorzüglich die Weiber, kamen im-mer wieder auf den Kaiser zurück:das hätten sie nicht gedacht, daß ersein Wien so hart mitnehmen werde!" An einen Erfolg der Vertheidigungglaubte nun schon niemand, der nicht blind in seiner Leidenschaftwar. Messenhauser sagte zu Fenneberg und Redl:Man muß ebennoch etwas um die Ehre fechten!" Nur Bem wollte nichts von Ab-lassen vom Kampfe hören; durch seine Adjutanten ließ er an allenLinien verbreiten:die Ungarn wären von neuem vorgerückt, hät-ten das Centruin des Banns gesprengt, seien im raschen Anmarschauf Wien begriffen"

Bem hatte wohl keine Ahnung, daß in der That eine Kunde