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1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
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226 II. 16. Allgemeine Vorrückung der Armee am 26. October,

geführt, wo sie ein paar Stunden der- gewohnten Ruhe pflegen woll-ten, so lauerte an der nächsten Ecke ein Haufe, der sie, ohne ansVorstellungen und Einreden zu Horen, zum AuSmarsch auf einenneuen Posten zwang.Schwarzgelber! Standrecht! An Latonr'sCandelaber aufhängen! das waren die Zauberformeln, womit manden Erschöpften wieder zu Kräften brachte", erzählt Lyser, selbst einerder Geplagten jener Tage. Sogar bei vielen Mobilen griff Unlustzum Kampfe um sich; sie begauneu immobil zu werden und schwenk-ten, wenn sie an die Linie commandirt wurden, seitwärts ab, umirgend ein Bier- oder Weinhaus zu besetzen. Was den Mismuthder Vertheidiger steigerte, war die immer mehr zu Tag tretende Ver-wirrung und Ordnungslosigkeit in ihren Reihen. Bei den Kämpfenin der Brigittenau, im Augarten und am Tabor wußte thatsächlichniemand, wer befehlen, wer gehorchen sollte; zuletzt hatte alles der-art den Kopf verloren, daß jeder blind sein Gewehr losbrannte, gleich-viel ob auf Feind oder Freund""'). Trotz, Auflehnung gegen dieObern, deren Befehle man nicht genehm fand, selbst offene Gewalt-thätigkeit waren häufige Erscheinungen, ohne daß jemand den Muthhatte, strafend einzuschreiten'"). Dabei witterte mau allenthalbenVerrath in den eigenen Reihen. Auf der Aula wurde versichert, derNvrdbahnhof sei nur darum verloren gegangen, weil eine Compagnieschwarzgelber Garden" auf ihre eigenen Kampfgenossen zu schießen be-gann; man habe zwar jenetüchtig zusammengehauen und znsammen-geschossen", aber mittlerweile habe der Feind schon so große Vor-theile errungen, daß der Bahnhof aufgegeben werden mußte. Ueber-läufe zum Militär, sowohl von Garden als von den abgefallenenSoldaten, kamen täglich vor; erstere wurden von den Truppen niitFreuden ausgenommen, gegen die andern aber kannten sie kein Er-barmen, wenn es nicht den Officieren gelang, die reumüthigen Misse-thäter der Rachgier ihrer früheren Cameraden zu entreißen'").

Die Wirkungen der gegnerischen Geschosse machten sich stets fühl-barer. Um 8 Uhr morgens hatte man den ersten Verwundeten,Schuß im Schenkel, in das Nothspital im Pfarrhofe der Jägerzeilegebracht. Im Lauf des Tages kamen gegen vierzig andere nach,darunter gräßliche Verstümmelungen; einem Vormeister der N.-G--Artillerie, Viktualienhändler, hatte eine Kanonenkugel den Kopf fort-gerissen; so lag der Rumpf jetzt im Hose der Pfarrei. In die an-