182
II 13. Hctzcndvrscr Prvclamatio» vom 23. Octobcr.
des Wiener Gemeinderathes erwarteten ihn. Der erste hatte ihmden ReichstagSbeschlnß vom 22. und ein Schreiben des Ministers zuübergeben, worin dieser bat, mit der Verhängung des Belagerungs-zustandes und Anwendung von Waffengewalt so lauge innezuhalten,bis die Reichs-Commissäre von Olmüz zurückgekehrt sein würden.Der Bote empfing keine schriftliche Antwort, sondern nur den münd-lichen Bescheid, daß man im kaiserlichen Hauptquartier keine andereExeeutiv-Gewalt in Wien kenne als den Gemeinderath; daß letzteremmitzutheilen sei, daß der Stadt eine achtundvierzigstündige Frist zurUnterwerfung anberaumt werde; endlich, daß eine neuerliche Kund-machung des kais. Manifestes vom 16. stattzufinden habe. Ein freund-licherer Empfang wurde den beiden Gemeinderäthen Hütter und Brod-huber zu Theil. Sie wurden vom Feldmarschall zur Tafel gezogen,nach deren Beendigung er sie in eine Fensterecke zog und zu ihnentief bewegt sprach: „Meine Herren, Prag hat mich unglücklich gemacht.Meine jetzige Stellung ist noch schmerzvoller für mich; doch die ernstePflicht heißt meine Gefühle schweigen. Ich bitte Sie, tragen Siedazu bei, daß mir diese schwere Aufgabe erleichtert werde." Als dieAngcredeten bemerkten, „sie seien nicht ermächtigt, sich in Erörterungeneinzulassen; sie könnten nur die Bitte stellen, Se. Durchlaucht mögevoic der in seine Hände gelegten Gewalt möglichst humanen Gebrauchmachen", entließ sie der Marschall mit der Versicherung, an ihm sollecs nicht fehlen^ ihren Wunsch zu erfüllen.
Gegen 6 Uhr Abends langte eine dritte Sendschaft aus der Stadtan. Der N.-G.-Hauptmann Thurn hatte am selben Morgen in Be-gleitung eines Trompeters und einer Ordonnanz Wien verlassen, umden Fürsten Windischgrätz in Stammersdorf anfzusuchen, hatte ihndaselbst nicht mehr angetrvffen und war nach langer Irrfahrt zuletztglücklich nach Hetzendorf gekommen. Er überbrachte eine Zuschriftdes Gemeinderathes, worin dieser jede vom Feldmarschall ihm zuge-mnthete Verantwortlichkeit ablehnte und auf das Ministerium desInnern und den Reichstag hinwies, denen die Wiener Stadtbehördeunterstehe. Windischgrätz äußerte erst seine Verwunderung darüber,daß der Gemeinderath mit ihm, der im Namen des Kaisers zu be-fehlen habe, Noten wechseln zu können vermeine, und erklärte sodannauf das bestimmteste, daß er vom Reichstag als Organ der Executiv-Gewalt nichts wisse und denselben in dieser Eigenschaft nie anerkennen