Ansprache Radeckp's an die Wiener Garnison.
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Aber auch das Militär draußen bekam Verstärkung. Abteilungenvon Ludwig, Stephan, Wocher eilten aus den um Döbling liegendenOrtschaften herbei, eine Batterie kani angerasselt, eine Schaar Küras-siere trabte daher.
An demselben Tage war ein Ereignis eingetreten, das den Eiferder kaiserlichen Truppen gewaltig anspornte. Eine ProclamationRadeekh's war erschienen und in Tausenden von Exemplaren imLager verbreitet worden. „Soldaten der Garnison von Wien!" sprachder gefeierte Heldengreis sie an; „ich bin nicht Euer commandirenderGeneral, Ihr seid nicht gewohnt auf meine Stimme zu hören; dochals Feldmarschall und ältester Soldat der Armee steht mir das Rechtzu, ein ernstes Wort an Euch zu richten. Unerhörte Dinge habenunter Euren Augen in Wien stattgefunden. Oesterreichs mackelloseFahne ist durch Verrath und Blut befleckt. Soldaten, Schmerz er-griff mich, Thränen erfüllten mein altes Auge, als ich die Kundedieser in den Annalen der österreichischen Kriegsgeschichte unerhörtenSchandthaten empfing. Möge Gottes Gnade mir gestatten den Tagzu erleben, wo man sagen wird, die Armee hat Oesterreich gerettet!Dann erst wird der 6. und 7. October dieses unheilschwangerenJahres gesühnt sein; dann reicht Euch die Armee von Italien, diejetzt die Gränzmarken der Monarchie gegen die äußern Feinde schützt,die Bruderhand!"
Die Ansprache wirkte zündend. Aus sollte es jetzt sein mit demlänger» Zögern und Hinhalten. Vom General bis zum gemeinenMann brannte alles vor Begierde, die Worte des greisen Feldmar-schalls zur That werden zu lassen, und als nun gleich bei Döblingdie Gelegenheit geboten war, sich mit den Aufständischen zu messen,wollten die Soldaten ohne weiters die Linien stürmen. Doch dasGebot des Oberfeldherrn lautete streng: nur vertheidigungsweisewar vorzugehen, und die Officiere mußten ihr ganzes Ansehen auf-bieten, ihre Leute in den Schranken der Mäßigung zu erhalten. DieKanonen und Haubizen wurden in Thätigkeit gesetzt, durch derenwirksame Geschosse sich die Aufständischen bald auf allen Punkten in'sGedränge gebracht sahen. Einige Kanonenkugeln fielen bis nachThury. Das Feuer, von welchem das Dach eines Hauses ergriffenwurde, war bald gelöscht; dafür entbrannte die Leidenschaft der ge-meinen Elasten. Wilde Haufen sammelten sich, alte Männer bestiegen