174 II> 12. Truppenbewegungen und Scharmützel am 23. October.
Ecksteine und erhitzten die Volksmassen durch die tollsten Reden. DieBranntweinschenken wurden belagert von schmutzigen und zerlumptenGesellen, die sich Muth antrinken wollten. Eine Rohheit, ein Trotzentfaltete sich, gegen den das Zureden einiger besonnener National-gardisten nichts ausrichtete. Man eilte auf den Kampfplatz. Beider Nußdorfer Linie war nichts zu unternehmen: das Militär hatteeine Kanone hinter dem Gasthause „zum Auge Gottes^ aufgestelltund war durch das Gebäude sowie durch die Bäume der nach Döb-ling führenden Allee gedeckt. Günstigere Aussichten bot die Wasser-linie, wo sich die Aufständischen der Ferdinands-Wasserleitung bemäch-tigt hatten, die ihnen einen vortheihaften Stützpunkt bot, die kaiser-lichen Truppen zu beschießen. Da befahl General Parrot zu stürmen.Die zweite Landwehr-Division Reisinger, vom Hauptmann Worisek,und eine Abtheilung Jäger, von Lieutenant Hentzi geführt, rücktengegen die Aufständischen los, die ihnen noch einige Gewehrsalvenentgegenschickten und dann eilig den Rückzug hinter die Linie antraten.Auf dem vom Militär gewonnenen Punkte fuhren vier Geschütze aufund eröffneteu ein Feuer gegen Lichtenthal und die Spittelau. Gleich-zeitig griff Hauptmann Rossig mit einer Compagnie Reisinger dienahe Holzlegestätte an, verjagte die Vertheidiger und trieb sie in dieStadt zurück, so daß auch die Wasserlinie von ihnen preisgegebenwurde, ohne daß die kaiserlichen Truppen, der von höchster Stellegegebenen Weisung gemäß, von diesem Vortheile Gebrauch machendurften.
Auch an den Taborbrücken richteten einige Kartätschenladungender kaiserlichen Geschütze arge Verwirrung unter den Aufständischenan, denen in der vierten Nachmittagstunde Max Gritzner mit 400Mann und 4 Geschützen aus der Stadt zu Hilfe eilte. Die Kano-nade, vom Kleingewehrfeuer unterstützt, währte mit kurzen Unter-brechungen bis in den späten Abend fort, und sie griff niit demdumpfen Nachhall ihrer Schläge störend in einen Vorgang ein, dersich um dieselbe Zeit in der innern Stadt abspielte.
Die Deputirten der Frankfurter Linken waren halb und halbzur Abreise gerüstet, wozu ihnen Fenneberg die Pässe ausgefertigthatte, als die Stimmung am 23. Robert Blum nicht ruhen ließ, aufder Aula noch eine Rede zu halten. Gegen Abend erschien er da-