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II. 11. Borgänge in Wien, 22.-23. October.
Ueberbringer entfernt hatte, warf Dunder den Pack unter den Tisch,wo er liegen blieb, ohne daß sich jemand weiter darum kümmerte.In den Abendstunden versammelten sich in den Räumlichkeiten desOber-Commandos der Chef von Messenhauser's Generalstab, achtBezirks-Chefs, der Commandant der akademischen Legion und einigeandere höhere Officiere und setzten eine Eingabe an den Reichstagauf, von dem sie die Entscheidung verlangten: „daß die National-garden ihr constitutionelles Recht mit den Waffen in der Hand gegendie belagernde Armee zu vertheidigen berechtigt sind, ohne damit ihreLoyalität gegen den coustitutionellen Kaiser, zu verletzen". Auf eineso klar gestellte Zumuthung war einfach mit „Ja" oder mit „Nein"zu antworten; die Reichstags-Permanenz fand es aber besser, garnicht zu antworten, sondern die Adresse an den FeldadjutantenMessenhauser's zu senden, der seinerseits, als er den Namen Aigner'sunter den Unterschriften fand, nichts eiligeres zu thun hatte, alsdem Studentenausschüsse eine Abschrift der Adresse mit der Anfragezu überschicken, ob der Legionscommandant dieselbe im Namen desComitö's unterschrieben habe? Der Ausschuß beschloß, Aigner nachHerstellung des Friedens in Anklagestand zu versetzen.
Die Physiognomie der Stadt nahm ein immer düstereres Aussehenan. Die unheimlichsten Gerüchte tauchten auf. Kam es doch sogarim Gemeinderath am 23. zur Sprache, daß die Studenten die Uni-versität bei einem Angriffe in die Luft sprengen wollten, und beruhigteman sich erst, als auf ämtliche Anfrage der Studentenausschuß dasGerede für eine „schändliche Lüge" erklärte! In der innern Stadtwurde es stiller und öder. Die Barricaden waren weggeräumt, dasPflaster wurde ausgeglichen, das Kärntner- und Carolinenthor wurdensogar vollständig wieder geöffnet, während man die gegen die Leopold-stadt führenden Ausgänge stärker als früher verrammelte. Allein esgab keinen Verkehr. Die schon einmal verschobene Ausziehzeit wurdevom Gemeinderathe „in Rücksicht der andauernden Umstände" umweitere vierzehn Tage hinausgeschoben. Die Verkaufsläden warenoffen, doch die Inhaber derselben standen meist beschäftigungslos inihrer Thüre. Die bewaffneten Haufen, die bisher die Basteien besetztgehalten, hatte man in die Vorstädte und an die Linien commandirt.Aber in welchem Zustande hatten sie den ehemaligen Lieblingsspazier-gang der Stadtbewohner znrückgelassen! Allenthalben lagen Ziegel-