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II. II. Vorgänge in Wien, 22.-23. October.
Brestel, schienen sich das Wort gegeben zu haben, jeden Ausdruck zuvermeideu, der sie mit der noch ini gestrigen Beschlüsse ausgesprochenenBehauptung, daß in Wien Gesetzlichkeit und Ordnung herrsche, inWiderspruch bringen könnte, und nur dem alten Borrosch entschlüpftedas Wort, daß „jetzt die Reaction ungleich bedrohlicher aussieht alsdie Anarchie". Auch sonst war aus der ganzen Verhandlung heraus-znfühlen, daß den Abgeordneten, je mehr sie mit Redensarten vollheldemnüthigcn Selbstgefühls herumwarfen, der Boden unter denFüßen zu schwinden begann. Goldmark beantragte eine schleunigeBerathuug und Schlußfassung, um den Gesetzentwurf „so schnell alsmöglich" nach Olmüz senden und „den Herren dort ein wenig aufden Zahn fühlen" zu können, „wie es denn heutzutage mit der Sanctionaussieht". Die Andern aber mochten gerade eine solche Probe, dievielleicht nicht nach Wunsch ausfallen könnte, ferngehalten wissen,obgleich sie ihre Befürchtung sorgfältig verschwiegen, und Borroschmeinte: „ein derartiger Zweifel dürfe gar nicht aufkommen; dasGesetz, wenn es dem Kaiser vorgelegt würde, müsse sanctionirtwerden; doch er für seine Person verlange sich kein solches papiernesSchntzmüntelchen". Den Ausschlag gab zuletzt die ArgumentationSchuselka's: „Entweder herrscht die Gewalt oder das Recht. Herrschtdas Recht, so werden wir nicht angefochten werden; herrscht die roheGewalt schrankenlos, dann wird auch unser Beschluß dieser Gewaltunterliegen". Die Berathung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.
Die Debatte würde einen minder ruhigen und anständigen Ver-lauf genommen haben, wenn die Versammlung gewußt hätte, wassie erst bei Beginn der Sitzung des folgenden Tages erfuhr: daßnämlich drei Abgeordnete, die nach Wien zurück wollten, bereits seitdem 22. in Floridsdorf zurückgehalten wurden. Smolka sandte aufdiese Anzeige einen Eilboten in das kaiserliche Hauptquartier, und denZurückgehaltenen wurde mit der Entschuldigung, es sei nur ein Mis-verstündnis unterlaufen, kein weiteres Hindernis gemacht.
Wenn die äußere Haltung des Reichstages sichtlich das Bestrebenbekundete, zuversichtliches Selbstvertrauen zu zeigen und der Bevöl-kerung einznflößen, so gingen hinter den Coulissen Dinge vor, dieganz andere Wahrnehmungen machen ließen. Von den Mitgliedernder Permanenz blieben immer mehrere aus; ein und der andere weilte