154
II. 10. Ankunft Windischgrätz' im Lager.
gebe"^). Messenhauser endlich richtete ein Schreiben an den „Kom-mandanten des Uhlanen-Vorposten jenseits von Floridsdorf", den eraufforderte, „sich in angemessener Entfernung zu halten"; sonst werdeer, Messenhauser, „sogleich im Namen der Bevölkerung Wiens dieBeschwerde an Se. Majestät, unseren constitutionellen Kaiser, gelangenlassen."
Die Doppel-Deputation nach Olmüz traf daselbst um halb neunB.-M. am 20. ein. Der Empfang, den sie fand, war kein freund-licher. Einige kaiserliche Osficiere, die über den unerwarteten Anblickvon Wiener Nationalgarden außer sich geriethen, äußerten laut, daßjene es Horen konnten: „mau solle sie zurückbehalten und ü la Latouraufknüpfen". Sie wurden vom Kaiser nicht empfangen, selbst Wessen-berg wollte sie nicht vorlassen. Mau nahm ihnen ihre Adressen ab,beschied sie auf 2 Uhr, dann auf ö Uhr N.-M., ließ sie abermalsmehr als zwei Stunden warten und übergab ihnen zuletzt eine Zu-schrift des Minister-Präsidenten, die sie an den Fürsten Windischgrätzverwies, au welchen „nunmehr alle Anträge und Vorschläge in Be-ziehung auf die Herstellung der gesetzlichen Ordnung in Wien" ge-richtet werden müßten. Spät in der Nacht kam die Deputation inLundenburg an, wo sie sich sogleich dem Feldmarschall vorstellenwollte; man hieß sie jedoch den nächsten Morgen in ihren Waggonsabwarten. Allein auch da kamen sie nicht vor, sondern, währendeines ihrer Mitglieder, Director Karl, von Lundenburg unmittelbarnach Wien eilte, um dem Gemeinderathe vorläufigen Bericht überihren Miserfolg in Olmüz zu erstatten, zogen die andern dem kaiser-lichen Hauptquartier nach, das Windischgrätz im Laufe des 21. nähergegen Wien, nach Stammersdorf, verlegte^).
Die südöstlichen Ausläufer des Bisamberges boten in dieser Zeitein bewegtes Bild. Täglich trafen neue Truppenkörper ein. Auchdie Cavalleriebrigade Bellegarde rückte von ihrem Streifzuge an dieuntere March wieder in's Lager. Am 21. kamen vier Brücken-Eqni-pagen aus Prag in Lang-Enzersdorf an. Vom Observatorium aufdem St. Stephansthurin wurde fleißig beobachtet, wie sich das Haupt-lager südlich von Stammersdorf ausbreitete und die Vortruppen beimWirthshaus Rendezvous an der Kaiserstraße standen; bei Jedlerseelagerte Cavallerie, an 2000 Reiter stark, in der Nähe sah man eine