Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

78

I. 5. Fürst Alfred Windischgrätz.

führen läßt. Man möge sich darüber keinen Täuschungen hingeben;ich für meinen Theil kann nur Italien willen die böhmische Armeedurch Entziehung ihrer besten Truppen nicht schwächen lassen." Alsdie Rechte sah, daß ihrem Begehren immer nicht uachgegeben wurde,vielmehr der Commandireude von Böhmen unbeweglich seine Stellungob dem Prager Schlosse einhielt, setzte sie eine mit den Unterschriftenihrer sämmtlichen Mitglieder versehene Schrift an das Gesammt-Ministerium auf, worin sie in den entschiedensten Ausdrücken dessenEntfernung von seinem Posten verlangte. Leo Thun hatte dem Drän-gen einer mächtigen Reichstagspartei schon lange weichen müssen, mitWindischgrätz hatte das Ministerium, das fühlte es, kein so leichtesSpiel. Die Sprache zwischen ihm und Latour wurde eine immergereiztere. Jener erklärte fest:er werde sich unter keiner Bedingungzur Fortsendung der verlangten Truppeukörper hergeben; er bitte,ihn nicht in die Lage offener Weigerung zu bringen, da er fest ent-schlossen sei, in jener Richtung ihm zukommenden Befehlen nicht zuentsprechen; wenn das Ministerium nicht die Kraft besitze, der Re-volution entgegen zu treten, so müsse er die seinige für diesen Zweckgesammelt halten; die Vorsehung habe ihn leider in diese Lage zuhandeln berufen". Latour nahm für eine Zeit eine sehr ernste Mienean. Auch war es nicht bloße Nachgiebigkeit gegen die Interpellationender Rechten, warum er ans seinem Begehren bestehen zu müssenglaubte; er brauchte in der That Truppen, insbesondere jetzt, woJelacir seinen Zug gegen Ofen vorbereitete. Er ließ in einem sei-ner Schreiben an Windischgrätz die Nothwendigkeit einer Abberufungdurchblicken; er ging so weit, dessen Verhalten geradezu alsein seitdem dreißigjährigen Kriege in der kaiserlichen Armee nicht vorgekom-menes Beispiel offenen Ungehorsams eines commandirenden Generals"zu bezeichnen. Zuletzt fand der edle Mann dennoch Mittel, den vonihm erkannten Bedürfnissen in anderer Weise abzuhelfen; von derEntsendung böhmischer Bataillone war keine Rede mehr, und derBriefwechsel zwischen den beiden treuen Dienern ihres Herrn nahmwieder den vorigen ruhigeren Ton an. Doch nicht mehr für lange!Vom 2. October datirte das letzte Schreiben des Fürsten, das in dieHände des unglücklichen Kriegsministers gelangte.Die Meuchel-morde in Frankfurt", schrieb Windischgrätz,der Tod Lamberg's zei-gen, wohin die Umsturzpartei will. Ich wäre längst gemeuchelt,