Die Prager Jnnitage.
75
fischen Februar-Revolution der erste größere und entschiedene Sieg*)der gesetzlichen Macht über die Gewalten der Auflehnung und Anar-chie. Von allen Seiten, offen und anonym, aus dem In- und Aus-land, kamen dem Fürsten hier enthusiastische Dank- und Beglückwün-schungsschreiben, dort Schmähbriefe und Drohungen der gemeinstenArt, aber auch gut gemeinte Warnungen zu. Von den ersteren prie-sen die aus Deutschland kommenden den Fürsten als ..Vorkämpfer desDeutschthums in Böhmen""), eine Auslegung, die er mit dem Be-merken von sich wies: ,,er habe nicht als Feind irgend einer Nation,sondern einzig als Bekämpfer der Gesetzlosigkeit und des Umsturzesgehandelt." Die ganze außer-italienische Armee blickte auf Windisch-grätz als den ersehnten Retter aus der Noth. Der Kaiser und dieKaiserin dankten von Innsbruck in gnädigen Handschreiben. Auchans St. Petersburg kam ein eigenhändiges kaiserliches Schreiben, beidessen Beantwortung sich Wiudischgrätz erlaubte, dem russischen Cardie Münchengrätzer Scene und das damals dem Kaiser Franz ge-machte Versprechen in Erinnerung zu bringen.
Wiudischgrätz war fest entschlossen, die der Revolution gegenübergewonnene Stellung nicht wieder aufzugeben, vielmehr die Kräftebereit zu halten, um im geeigneten Zeitpunkte das Werk ihrer voll-ständigen Niederwerfung zu Ende zu führen. Unmittelbar nach denJunitagen schickte er den Oberstlieutenant Baron Langenau in ge-heimer Sendung »ach Innsbruck, um sich für unvorhergesehene Er-eignisse die uöthige Vollmacht zu erbitten; sie kam in einem kaiser-lichen Handschreiben, worin ihm für den eintretenden Fall „der un-beschränkte Befehl über alle kaiserliche Truppen der Monarchie", dieitalienische Armee allein ausgenommen, eingeräumt wurde. Von da anblieb Wiudischgrätz mit dem kaiserlichen Hoflager in unausgesetztemVerkehr, den die regierende Kaiserin unmittelbar führte, eine Frau,deren hoher und starker Geist erst in diesen Zeiten allseitiger Be-drängnis seine reichen Kräfte zu entfalten schien. Wiudischgrätz setztesich mit den commandirenden Generalen von Mähren und Galizien,Fürst Neuß und Baron Hammerstein, in vorläufige Verbindung undbenützte eine vorübergehende Anwesenheit des Grafen Clam-Gallas,um auch den greisen Marschall in Italien von seinen Entwürfen zu
*) Die Bezwingung des an Umfang und Dauer ungleich geringeren April-Aus-standeS in Krakau blieb auf den allgemeinen Gang der Ereignisse ohne merklichen Einfluß-