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Fürst Alfred WindischgiM.
Wie das in seinem Wesen lag, nie gelüugnet, wenn man gleich vonuns nicht erwarten wird, daß wir das läppische Wort erst zu wider-legen uns bemühen, das ihm gedankenlose Nachrednerei bis auf denheutigen Tag oft genug in den Mund zu legen liebtDer Werthdes Mannes, der sich in der entscheidendsten Epoche der neueren öster-reichischen Geschichte zweimal mit unumschränkter Vollmacht bekleidetan die Spitze der Ereignisse gestellt sah, fordert zu einer ernstere» undwürdiger» Beurtheilung heraus, als sie schnellfertig eine von der Leiden-schaft des Parteigetriebes beherrschte Tagesmeinung zu bieten vermag.
Die Windischgrätze leiten ihr Geschlecht von einem Sohne desMarkgrafen Ulrich von Kärnthen, Ende des l l.und Anfang de§ 12.Jahrhunderts, her. Nach den Ergebnissen neuester Forschung jedochsollen sie zuerst um das Jahr 1220 in der windischen Mark alsMinisteriale der Patriarchen von Aquileja auftauche»; sie ziehen sichdann in die Steiermark hinauf, erwerben >270 die Nitterwürde undschwingen sich durch geistige Tüchtigkeit, Thatkrast und Strebsamkeitzu immer größerem Ansehen und Wohlstand auf, so daß sie zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts zu den ersten adeligen Geschlech-tern des Landes zählen; mit Diplom vom 7. Juli 155l werden sievon Ferdinand I. in den Reichs-Freiherrnstand erhoben und steigenunter Leopold l. zur Reichs-Grafenwürde (Diplom v. 20. Nov. 1682)empörest - Im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts ist Reichs-graf Joseph Niclas Haupt der Familie, eine jener stolzen eigenwilli-gen, dabei wohlwollenden und durchaus ehrenhaften Dynastennaturen,deren Typus heutigen Tages unter der Aristokratie nicht bloß Oester-reichs, sondern selbst Englands immer mehr zu verschwinden scheint.Graf Joseph Niclas hat in früheren Jahren in nahen persönlichenBeziehungen zu Kaiser Joseph II. gestanden, sagt sich aber später,dem Stürmen und Drängen von Joseph's rücksichtsloser Reform-thätigkeit im Grundsätze abhold, gänzlich von ihm los, meidet vonda den Hof und ist, trotz öfterer Anwesenheit in Wien, nie mehr zubewegen sich dem Kaiser vorzustellen. Er ist ein vielseitig gebildeterMann, beschäftigt sich mit historischen, politischen und philosophischenStudien, steht mit Kant, mit den französischen Encyklopädisten undandern Berühmtheiten jener Zeit in lebhaftem Briefwechsel und läßteine nicht unbedeutende Anzahl von Schriften drucken, wo er sichhauptsächlich bestrebt zeigt, seine tief religiöse Ueberzengung mit den