Jetacic vor Wien.
49
weite suchten. Mit Blitzesschnelle flog die Kunde nach Wien, undrief auch dort jähe Bestürzung hervor; alles, was den Leuten dieradicalen Blätter von den ,,wilden Horden", von dem „Raubgesindel"des Banns seit Wochen vorerzählt, stand nun leibhaftig vor ihrererhitzten Phantasie; man erzählte sich die fürchterlichsten Dinge vonihnen, und der bloße Ruf: „Die Kroaten!" machte in den erstenTagen manchen bramarbasirenden Helden zu einem bleichen zittern-den Mann ^), Der Reichstagsausschnß sandte, 9. October, einen Eil-boten nach Olmüz, den Kaiser zu bitten, daß er dem Banns denBefehl zukommen lasse, seinen Marsch nicht weiter gegen Wien fort-zusetzen, und der Abgeordnete Prato erbot sich, selbst in das Lagerdes Gefürchteten zu gehen und ihm das kais. Handschreiben vom6. October entgegenzuhalten, laut dessen Se. Mas, mit einem neuzu bildenden volkstümlichen Ministerium die zum Wohle der Ge-sammt-Monarchie nöthigen Maßregeln berathen wolle, Prato traf denBanns bereits in Schwadorf und war sehr erstaunt über den An-blick, der sich ihm da bot. Die Gränzer lagerten im Orte und in denFeldern umher; die Furcht der Landbevölkerung war gewichen, so-bald sie gesehen, daß die Truppen gute Mannszucht hielten und für-alle Lieferungen zwar nicht baares Geld, aber förmliche Empfangs-bescheinigungen ausfolgten; alles war offen, die Leute gingen ihrengewohnten Beschäftigungen nach und man sah es ihnen durchaus an,„daß sie sich durch diese Truppen nicht belästigt oder irgendwie gargequält fühlen könnten" 2»). Jelacic empfing den Reichstagsabgeord-neten mit gewohnter Leutseligkeit, erwiederte ihm aber auf dessenBotschaft, daß auch er keine andere Pflicht kenne als die Interessender Gesammt - Monarchie zu fördern, und daß er dieser Pflicht ebendadurch genüge, daß er sich selbst und alle, die ihm folgten, demKaiser zuführe. Durch solchen Bescheid nur noch mehr beunruhigt,
wandte sich jetzt der Reichstagsausschuß an Kraus und es erging einministerielles Schreiben an den Banus, worin ihm „in kategorischer«Weise" die Erklärung über die Absicht seines Zuges abverlangt undsich „energisch" dagegen verwahrt wurde, „daß Oesterreich durch seineneigenmächtigen Einmarsch zum Schauplatz des ungarisch - croatischenKrieges gemacht werde". Wieder Prato, und mit ihm Bilinski, tru-gen am 10, diese Depesche zum Banus, der sich schon in Rothneu-siedel befand und ihnen seine Antwort schriftlich einhändigte, „Ich