Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

Ban Jelacic.

43

warf, die Stellung der kaiserlichen Truppen anzugreifen, waren esihre eigenen Organe, die mit den militärischen Behörden in ununter-brochenem Verkehr standen; ein eigener vom Studenten-Comitö unter-stützter Ausschuß sorgte für die Verpflegung des Lagers im Schwar-zenberggarten.

Gleich am 7. Oetober hatte Auersperg einen Courier an denFürsten Windischgrätz gesandt, von welchem die Vertröstung aufnahe Hilfe mit dem Beifügen zurückkam, die Garnison von Wienmöge einstweilen eine beobachtende Stellung einuehmen. Schon waraber auch der Banns von Croatien nicht fern, dessen Annäherungfreilich eine willkommene Verstärkung der kaiserlichen Truppenmacht,aber zugleich, durch die ihm nachrückenden Magyaren, eine von an-derer Seite drohende Gefahr herbeiführte.

Es gibt in der ganzen neueren Geschichte Oesterreichs keineliebenswürdig fesselndere Erscheinung als die des ritterlichen BannsJelacic von Kroatien. Geboren am 10. Octvber 1801 zu Peter-wardein, von Vater und Mutter kroatischen Blutes, in seinen Jüng-lingsjahren in der Theresianischen Nitterakademie erzogen, folgteJelacic nach dem Austritt aus dieser Anstalt seinem angeboruenHange zum Soldateustaud, trat im März 1819 als Lieutenant indas dritte Dragoner-Regiment (damals Knezevic) und kam im Sep-tember 1830 als Capitän-Lieutenant zum Oguliuer Grüuz-Regiment.Ein kühner Reiter, gewandter Fechter, trefflicher Schütze verbandJelacic mit einem glücklichen Gedächtnisse, mit einem ungemeinenTalent für Sprachen, mit dem phantasievollen Schwung einer fürdichterische Erregungen empfänglichen Seele eine Annehmlichkeit derUmgangsformen, eine Ungezwungenheit und Offenheit des Charak-ters, die ihn, welchem der Born einer natürlichen Beredsamkeit vonden Lippen quoll, zum Herzengewinner in allen Kreisen, bei beidenGeschlechtern, ja bei Freund und Feind machten. So manche magyarischeFamilie, die im Jahre 1848 in die Lage kam, dencroatischen Pan-durenführerJ wie ihre Zeitungen ihn betitelten, unter ihrem Dachebequartieren zu müssen, fühlte sich von dem Zauber seines Wesenswie umgewandelt und wechselte die herzlichsten Abschiedsbegrüßnngenmit ihm, wenn ihn andern Tages der Lauf der Kriegsereigniffe