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1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
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I. 2. Zustände und Stimmungen in Wien.

dem Sprunge sind, der deutschen Sache in Wien ihren Beistand zuleihen; er ist durch Breslau gekommen und bringt die lebhaftestenSympathien Schlesiens; 400 Breslauer Studenten sind in Prag an-gelangt, bereit, Wien zu Hilfe zu ziehen. Der ,,Freimüthige" bringtdie Nachricht, 100000 Polen hätten die galizische Gränze überschrit-ten und eilten den Ungarn zum Beistand. Es gibt nichts so unsin-niges, was nicht aufgegriffen, verbreitet und geglaubt würde, umschon in den nächsten Stunden wieder verworfen zu werden und an-deren Thorheiten Platz zu machen. Es bleibt aber nicht beim gesproche-nen flüchtigen Wort; für alles findet sich ein Schriftsteller und einePresse; bald klebt es als riesiges Placat an den Häuserecken, wirdvon alten Weibern, von Dirnen und Knaben als Flugblatt auf denStraßen ausgerufen.Die geweihten Herolde der neuen Zeit, wirmeinen die Zettelanschläger, sie schlafen nicht; täglich kleben sie mitKleistertopf und Stange die Mauern der revolutionären Cäsaren-stadt neu in Regenbogenfarben; Ausrufer und Straßensänger schreien;es bläst und tobt in Wien wie eine Aeolsharfe aus allen seinenSchlünden; der große Journalismus schürt jegliches Feuer"'").

Ja, es blies und tobte aus allen Schlünden, daß manchem schierHören und Sehen verging und schwächeren Naturen der Geist irrewurde, den keine ärztliche Kunst wieder Herstellen konnte, währendandere auf der Straße, in Vereinen und Kaffeehäusern harauguirendund declamirend auf ihre Lungen loswütheten;und in der Thatkennen wir", wie ein Darsteller der October-Ereigniffe versichert'"),einen Studenten und einen Journalisten, die von dieser Zeit anBlut auswarfen." Denn es war kein gesundes lebensvolles, es warein krankhaftes Treiben, dessen Ausbrüche an einzelnen Punkten derStadt zu der Stille und Oede in dem größten Theile derselben einenunheimlichen Gegensatz bildeten. Der Eindruck, den Wien auf jeneninachte, der es aus früheren Tagen kannte, war ein wehmülhiger.Mir kam es", sagt Pichler,bei der Erinnerung an das vorigeso lebhafte Treiben der großen Stadt vor, als sitze ich auf einerungeheuren Ruine", lieber dem geselligen Leben der Stadt lag eindrückender Alp. Die Schauspielhäuser waren gesperrt. Auf eineEinladung, die das Ministerium an die Direction des Hofbnrg-theaters richtete, zur Beruhigung der Gemüthcr wieder Vorstellungenzu geben, erfolgte die Auskunft, daß der größte Theil der Schau-