Tagesblätter.
19
welche die radicaleu Blätter stets im Munde führten, darin bestände,nur solche Meinungen zur Offenbarung kommen zu lassen, die dertonangebenden Partei genehm sind! Das trifft am Ende der Ab-solutismus auch, uud gründlicher. Von den andern couservativenTagesblättern, die, wie der „Stndenten-Courier" meinte, wenigstens„mit Anstand" reactionär waren, blieb Bäuerle's „OesterreichischerCourier" (früher „Theaterzeitung") in den Leitartikeln von Anfangbis zu Ende seiner vorgezeichneten Haltung getreu, hielt sich gemessen,warnend, zum Frieden mahnend, wenn er gleich nicht umhin konnte,in den „Wiener Neuigkeiten" mitunter der Sprache des Tages zuhuldigen^)). Auch Zang's „Presse" sagte den radicaleu Wortführernmanche ernste Wahrheiten, war aber dabei so vorsichtig, es mit denherrschenden Gewalten nicht ganz zu verschütten. Der klug berech-nende Eigenthümer dieses von allem Anfang vortrefflich geleitetenBlattes hatte es in einer Zeit begründet, wo es vön Vortheil war, ausdem Schwall einer überstürzenden radicaleu Publicistik durch besonneneMäßigung herauszuleuchten; es mochten aber Zeiten kommen, woes Nutzen bringen könnte, in anderer Richtung zu glänzen, und fürden möglichen Nebergang von dem bisherigen Standpunkte zu dementgegengesetzten mußten jetzt schon Vorbereitungen getroffen werden.Darum hielt es die „Presse" für gerathen, sich auf den Boden desReichstages zu stellen, nach dessen feierlicher Erklärung „Wien zumWiderstande gegen die Anordnung militärischer Gewalt berechtigt"sei <Nr. l02 v. 24.), und erlaubte sich nur „vom militärischenStandpunkte" zu zweifeln, ob die Stadt in der Lage sei „eine regel-mäßige Belagerung auszuhalten". Dagegen unterlag „der öster-reichische Lloyd" sichtlich terrorisirenden Einflüßen, eiferte gegen die„unentschiedene Halbheit", die den Reichstag „in seinem jetzigen Wir-ken charakterisirt" (Nr. 24V Abendblatt v- 25.) und ließ sich Artikelaufdringen, die dem Geiste dieses Blattes geradezu fremd waren ^),während der „Politische Horizont" („Humorist"), dessen Azur mit-unter recht radicale Nebelflecken trübten, seinen eigenen nach Badengeflohenen Meister ärgerte, und die „Abendbeilage der Wiener Zei-tung", als fühlte sich ihr Redacteur erst jetzt recht wohl, die Spracheeines Organs der Aufständischen führte'fl. Gerade die umgekehrteWahrnehmung boten manche Blätter von früher entschieden liberalerSprache, die sie mehr und mehr herabzustimmen suchten, je finsterer